Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 650 (sequence 655)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9696-3485847- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
650 2j. Kongreß-Sitzung: Schlußreden ich diese große und neue Ehre von ganzem Herzen zu schätzen weiß. Es liegt zwar ein bitterer Tropfen darin, wenn man einem Manne, der so lange seine Arbeit getan hat, und ganz besonders eine Arbeit wie die unsere, die eine heilige Arbeit ist, den Abschied gibt. Schwer fällt mir der Abschied von der wirklichen Leitung der Exekutive. Ich muß meinen Kollegen in der Exekutive danken, die im Laufe dieser Arbeit mit solcher Hingabe und solchem Vertrauen mir geholfen haben, das Wenige zu tun, was wir in den letzten Jahren getan haben. Aber auch meinen Kollegen im weiteren Sinne des Wortes, Ihnen allen muß ich danken für die große moralische Hilfe, die Sie mir in all den Jahren zuteil werden ließen. Ich verlasse meinen Posten mit Stolz, ohne jede Bitterkeit, ohne jeden Vorwurf, sondern voll freudiger Genugtuung, daß wir unser Werk in Frieden und Eintracht vollbringen. Ich übernehme mein neues Amt mit der Gewißheit, daß sich mir hier ein reiches Arbeitsfeld eröffnet. Es ist im allgemeinen üblich, daß der Ehrenpräsident nicht arbeitet, ja nicht einmal reden darf. (Heiterkeit.) Wenn Sie midi unter diesen Bedingungen zum Ehrenpräsidenten gewählt hätten, ich wäre damit gar nicht einverstanden. Denn zur Untätigkeit verurteilt zu sein — das liegt mir nicht. Ich habe erklärt, daß ich die große Verantwortung der Leitung des Keren Hajessod auf mich nehme, mit der festen Absicht, auf diesem Gebiete produktive Arbeit zu leisten. Der Fonds muß größer werden, das habe ich mir zur Aufgabe gestellt. (Beifall.) Falls ich aber im Keren Hajessod zu wenig Arbeit haben sollte, haben Sie mir noch eine zweite Aufgabe gestellt, und die übernehme :ch voll Freude. Es ist eine neue Arbeit in unserer Bewegung. Wir sprachen oft von Kultur, aber unsere Worte blieben in der Luft hängen. Hier muß radikal Wandel geschaffen werden. Ich bin fest entschlossen, und das ist keine leere Phrase, nicht nur zu tun, was in meinen Kräften steht, sondern viel mehr: alle unsere reichen Kräfte in Erez Israel und der Galuth mit dieser Aufgabe zu verknüpfen und sie an dieser bedeutsamen Arbeit teilnehmen zu lassen. Ich hoffe, daß einer unserer Ersten, die noch am ersten Kongreß teilnahmen, der bekannte Gelehrte und Schriftsteller Rabbiner Dr. Ehrenpreis, ebenso der berühmte jüdische Schriftsteller Schalom Asch, die hier im Saale anwesend sind, an dieser Arbeit sich beteiligen werden. (Lebhafter Beifall.) Ich versichere Ihnen, wenn es Sie interessiert, daß wir sofort nach Schlui* des Kongresses an die Erfüllung dieser großen Aufgabe schreiten werden. Ich will meine Worte, wenn Sie erlauben, in einer fremden Sprache schließen, die allen geläufig ist (deutsch fortfahrend): Daß der Zionismus seine Ziele aufgegeben oder auch nur seine prinzipiellen Forderungen abgeschwächt habe, wird niemand, der den Verhandlungen des XIX. Kongresses mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, im Ernst behaupten können. Einige ängstliche Naturen vermeinten zwar, entdeckt zu haben, durch das Gelten dmachen der unmittelbaren Aufgabe des Wiederaufbaues habe unsere große Organisation einen Rückzug angetreten, allein diese Entdecker sind Ausnahmen, und für jeden mit den Bestrebungen unserer Organisation und den Grundzügen unserer Bewegung vertrauten Menschen steht es nach den Verhandlungen des Kongresses fest, daß der Zionismus, weit entfernt, sein Programm abzuschwächen und zu verwässern, es im Gegenteil schärfer zu formulieren und seine Ziele und Forderungen