Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 625 (sequence 630)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wise, Weizmann, S. Moses 625 Hand damit erfolgt eine Diffamierung des gesamten jüdischen Volkes und seiner geistigen und ethischen Kulturleistung sowie die systematische Verbreitung von Lehren und Theorien, die geeignet sind, die Positionen der Juden in allen Ländern zu erschüttern. Der Zionistenkongreß, der stets die Wahrung der jüdischen Ehre als eine seiner legitimen und wichtigsten Aufgaben betrachtet hat, weist im Namen des jüdischen Volkes die Diffamierung von Juden wegen ihrer Rassenzugehörigkeit als im Widerspruch stehend zu den elementaren Prinzipien der Sittlichkeit und Gerechtigkeit mit Entschiedenheit zurück. Der Protest gegen diese Entrechtung ist nicht nur Sache des jüdischen Volkes, sondern eine Aufgabe der Verteidigung des Prinzips der Gleichberechtigung aller Völker. Der XIX. Zionistenkongreß erklärt, daß das jüdische Volk, das in mehrtausendjähriger Geschichte seine Ehre und seine Eigenart unter unendlichen Opfern gewahrt hat, niemals und in keiner Situation seine Ehre preisgeben wird. Es wird den Anspruch auf Gleichberechtigung der jüdischen Bürger in allen Ländern, sowie sein Recht auf Existenz als Volk unter den Völkern der Wek mit der gleichen Entschiedenheit verteidigen, mit der es seine nationale Heimstätte in Palästina — als Lösung seiner Existenzfrage — aufzubauen gewillt ist. Die Judenfrage, die heute mehr denn je eine akute Weltfrage ist, erfordert zu ihrer Lösung die Mitwirkung und die Sympathien der nichtjüdischen Welt. Der XIX. Zionistenkongreß appelliert an die Völker, dem jüdischen Volk im Ringen um die Wahrung seiner Ehre und die Sicherung seiner Existenz ihre Mithilfe zu gewähren. VORS. PRÄS. DR. WEIZMANN: Ich erteile Herrn Dr. Moses das Wort zu einer Erklärung: DR. SIEGFRIED MOSES (Deutschland — spricht deutsch): Die Delegation der Zionisten aus Deutschland ist zu diesem Kongreß gekommen in der Überzeugung, daß die Verschärfung der Judenfrage so eindringlich wie nie zuvor geoffenbart hat, daß die zionistische Arbeit verstärkt werden muß. Für Tausende von Juden, vor allem für die jüdische Jugend, für weite Teile des jüdischen Mittelstandes ist heute die Auswanderung nach Palästina die einzige Lösung ihres Existenz- und Zukunftsproblems. Wir haben bei diesem Kongreß in erster Reihe mitgearbeitet, um durch einen neuen Aufschwung der zionistischen Arbeit einer großen jüdischen Einwanderung nach Palästina den Weg bahnen zu helfen. Wir haben die Hoffnung, daß die konkreten Ergebnisse dieses Kongresses eine wesentliche Förderung unserer konstruktiven Arbeit in Palästina bedeuten werden. In diesem Zusammenhang begrüßen wir den gestrigen Beschluß des Kongresses, den Haavara-Transfer in die Obhut der Zionistischen Organisation zu nehmen, wobei wir uns mit der großen Mehrheit des Kongresses einig glauben in der Überzeugung, daß es zionistische Gründe sind, die diesen Beschluß notwendig gemacht haben und ihn rechtfertigen. Wir haben es stets als die zentrale, uns spezifische Aufgabe des Zionismus aufgefaßt, unsere ganze Kraft auf die konstruktive Lösung der Judenfrage durch den Aufbau des jüdischen Nationalheims zu konzentrieren. Die soeben zur Verlesung gelangte Resolution müssen wir schon deshalb ablehnen, weil sie nach unserer Überzeugung diese klare zionistische Linie verläßt. Wir werden gegen die Resolution stimmen. In der anschließenden Abstimmung wird die Resolution mit überwiegender Mehrheit gegen die Stimmen der Delegierten aus Deutschland angenommen. 40