Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 471)
- Language
- German, English, Hebrew
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466 j6. Kongreß-Sitzung: Referat und Debatte über Kulturfragen erkannt. Sie muß deshalb zu Deutschland ebenso wie zu allen anderen Ländern Beziehungen unterhalten. Nur so kann man Pässe für die deutschen Juden bekommen. Die Jewish Agency ist die politische Vertretung der Juden und spielt dieselbe Rolle wie die diplomatischen Vertretungen der anderen Staaten. Als Hindenburg gestorben ist, hat die Zionistische Organisation infolgedessen auch ein Beileidstelegramm an Hitler geschickt. Dasselbe tat sie zum Tode des österreichischen Bundeskanzlers DollfuÜ. Der Zionistische Kongroß ist da« Parlament dieser politischen Vertretung. Es ist deshalb untragbar, daß weiterhin dieser scharfe Ton gegen Deutschland auf dem Kongreß angeschlagen wird. Das kann man vielleicht auf dem jüdischen Weltkongreß in Genf tun, aber nicht in Luzern. Die jüdische Oeffentlichkeit muß aufgeklärt und die Propaganda gegen Deutschland abgestellt werden, da man zu diesem Staat gute Beziehungen unterhalten wolle." Ich frage die Exekutive im Namen der Judenstaatspartei an, was sie zu diesem Bericht zu sagen hat. VORS. VIZEPRÄS. DR. GOLDMANN: Auf die Interpellation wird namens der Exekutive Herr Ben-Gurion antworten, sobald er aus der Sitzung, in der er sich jetzt befindet, im Plenum erscheinen wird. Bevor wir zum Referat über Kulturfragen übergehen, habe ich noch folgende Mitteilung zu machen: Der morgige Tag ist frei von Plenarsitzungen und für die Arbeit der Kommissionen reserviert. Das Präsidium erwartet jedoch — und das ist sein dringender Appell — daß die Kommissionen bis mbrgen nachmittags mit ihren Arbeiten fertig werden. Ich weiß, daß einige Kommissionen schon fast fertig sind, und erwarte, daß auch die übrigen ihre Arbeit bis morgen beenden. Samstag abends beginnen die letzten Plenarsitzungen des Kongresses, und wir hoffen, im Verlauf des Sonntags ntit den Arbeiten des Kongresses fertig zu werden. Der Permanenzausschuß versammelt sich Samstag abends um 3/*9 Uhr, das Plenum Samstag abends um 9 Uhr. Bevor ich nun Herrn Berl Katznelson das Wort zu seinem Referat über unsere kulturelle Arbeit erteile, möchte ich erwähnen, daß sich an das Referat eine Debatte anschließen wird, daß wir aber heute keine Beschlüsse fassen, sondern daß eventuelle Anträge an die Kulturkommission gehen werden, die dann ihre Vorschläge vor das Plenum bringen wird. REFERAT ÜBER DIE FRAGEN DER HEBRÄISCHEN KULTUR. BERL KATZNELSON (Arb., Tschechoslowakei — spricht hebräisch): Wenn ich auf dem XIX. Kongreß die Debatte über die Fragen der Kulturarbeit eröffnen soll, kann ich nicht umhin, mir das Schicksal der hebräischen Sprache und der Frage der hebräischen Kultur auf den früheren Kongressen in die Erinnerung zu rufen. Es gab Zeiten, wo derjenige, der auf dem Kongreß hebräisch sprach, sich damit begnügen müßte, daß im Protokoll statt der Wiedergabe seiner Worte verzeichnet war: „spricht hebräisch". Der Schriftführer brauchte kein Hebräisch, und niemand verlangte von ihm, daß er auch hebräische Reden aufzeichne. Das Hebräischsprechen gehörte zu den exotischen