Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 367)
- Language
- German, English, Hebrew
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364 Dreizehnte Kongreß-Sitzung. Montag, 26. August 1935, abends. Beginn der Sitzung: 20 Uhr 55 Min. Vorsitz: Präs. Dr. Ch. Weizmann. DR. KOPEL SCHWARZ (Arh.f Ostgalizien — spricht hebräisch): Seit einigen Kongressen ko/rimt das Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive zum Kongreß mit Antragen auf Einführung von Reformen und Aenderungen in der Struktur der Zionistischen Organisation, um die einzelnen ideologischen Teile der Organisation zu vereinigen, um ein anstündiges und kultiviertes Verhältnis unter ihnen zu ermöglichen, die Anziehungskraft der Organisation auf die Massen der noch fernstehenden Sehekelzahler zu erhöhen und ihren Einfluß zu verstärken. Bisher sind alle diese Versuche mißlungen, und es wird sehr arg und betrüblich sein, wenn wir sie auch auf diesem Kongreß nicht verwirklichen können. Die Bedeutung dieses Problems liegt nicht nur darin, daß es eine Million Schekelzahler gibt, die man an der zionistischen Arbeit und an der zionistischen Verantwortung beteiligen muß — das wird vielleicht durch die Erneuerung der Organisation gelingen, dadurch, daß man ihr eine Form gibt, die es jedem Juden, in dem der zionistische Funke glüht, ermöglicht, die zionistischen Dinge mit tiefem soziologischen Verständnis zu erfassen und zu unterscheiden. Doch nicht darin allein liegt die Bedeutung der Idee, daß sie ein gewaltiges organisatorisches Instrument schafft, das Fernstehende anzieht, sondern das Problem ist auch für die bestehenden Parteien von Bedeutung. Die Meinungsverschiedenheiten und die einzelnen Auffassungen werden zwar nicht verschwinden, aber es gibt Arbeitsgebiete, die gemeinsam sind, es gibt weite Wegstrecken, die man gemeinsam gehen kann, ohne Konflikte herbeizuführen und ohne die Reinheit des Gedankens und die Selbständigkeit des Denkens anzutasten. Aber in den verschiedenen Ländern leben wir in einem ständigen Zustand der Verhetzung, des Kampfes, der Sündenschnüffelei, und man sucht den Balken nur im Auge des anderen. Es ist begreiflich, daß bei einem solchen Zustand jeder das Trennende hervorzuheben sucht, statt das Gemeinsame zu finden, die Bedürfnisse und die Aufgaben, deren Erfüllung gemeinsame Arbeit und gemeinsame Anstrengungen erforderlich macht. Diese Kampfmentalität raubt uns den Sinn und die Fähigkeit, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Sie verfälscht das Aussehen der Dinge. Niemand strebt danach, die Worte des anderen zu hören, den anderen zu verstehen; es gibt nur ein Streben: zu siegen, zu befehlen, einander zu vernichten, und dazu ist jedes Mittel recht'. Wollte man bei uns alle Lügen und Verleumdungen niederschreiben, die einer gegen den anderen vorbringt, so würde ein solches Buch wahrscheinlich den krankhaften, psychopathischen Zustand beweisen,