Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 362)
- Language
- German, English, Hebrew
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/. Fischmann 359 keinen Groschen für ihr Land geben? Wie macht er das alles? Aber Opposition muß sein! Und Großmann findet nicht nur, daß die- Histadruth sozialistisch ist, sondern er findet sie sozialistisch-kapitalistisch (Zwischenruf MEIR GROSSMANN: Das ist die Gefahr in Erez Israel). Und dann ruf er mit Emphase: Was gebt Ihr mir Meere? Gebt mir die Histadruth! Welchen Teil wollt Ihr aber, den sozialistischen oder den kapitalistischen? (Heiterkeit und Beifall.) Großmanns Kollege Stricker kommt mit seiner sonoren Stimme und bringt uns eine Zeitungsnachricht. Es ist mir immer verdächtig, wenn jemand von der Judenstaatspartei plötzlich mit einer Nachricht kommt. Herr Stricker zitiert einen Artikel aus den Londoner „Times" über den Legislative Council. Er las ein paar Zeilen vor, und sie waren sehr negativ. Bisher pflegte man die Exekutive für Fehler zu tadeln, die sie schon gemacht hat; Herr Stricker will sie schon für Fehler tadeln, die sie machen wird. Und er erzählt, daß man einen legislativen Rat machen will und daß er uns nicht traut. Aber derselbe Freund Stricker vergißt, uns bei der Ueberbringung dieser traurigen Nachricht zu sagen, daß in demselben Artikel einige Zeilen stehen, man müsse auch noch mit der Haltung der Juden rechnen. (Zwischenruf FRITZ RICHTER: Ich beneide Sie um Ihren Humor, Herr Fischmann!) Beneiden Sie mich nicht, Herr Richter, ich beneide Sie auch nicht! (Heiterkeit.) Es heißt in diesem Artikel: „Mit der Stellung der Juden muß man rechnen. Sie werden den Legislative Council boykottieren, keiner wird sich wählen lassen, und es ist nicht wahrscheinlich, daß auch die friedlichsten der Führer, und solcher gibt es viele, eine Ernennung annehmen werden. Die jüdische Gemeinschaft von Palästina ist weit davon entfernt, einheitlich zu sein, aber in dieser Frage ist sie einer Meinung." Zur Frage der Histadruth. Es ist kein Zweifel, daß in der heutigen Zeit jeder fortschrittliche Zionist, der Herzls und Nordaus Zionismus im Sinn hat, die größte Bewunderung und Verehrung für die Arbeit der Histadruth hegen muß. Man sagt, daß die Histadruth jetzt nichts wert sein kann, weil sie zu stark gewachsen ist. Wenn sie mit einem Wasserkopf oder einem anderen Fehler aufgewachsen wäre, dann würde das verständlich sein, und man müßte einen Arzt suchen gehen. Ich habe die Histadruth seit 1924 sehr sorgfältig beobachtet. Sie wird nicht nur größer, sondern auch verantwortungsvoller und in jeder Hinsicht besser, und sie wird sogar ein bißchen konservativer, — freilich, wenn Ihr es zulassen werdet. Aber es muß gesagt werden: Wenn Ihr die Histadruth nicht wollt, wie sie jetzt ist, dann hütet Euch - vielleicht müßt Ihr einmal eine Histadruth schlucken, die radikaler ist als die jetzige! Spielt nicht mit den jüdischen Massen, spielt nicht mit den jüdischen Chaluzim. Wir haben jetzt „Zores-Zionisten" und „Naches-Zionisten". Es gibt auch noch Spekulations-Zionisten, und die wollen wir nicht haben. Und gerade von dem größten Teil dieser Zionisten kommt die merkwürdige und unverständliche Feindschaft gegen die wachsende Arbeiterorganisation, die nicht nur Bewunderung unparteiischer Juden, sondern auch von Christen hervorruft, die Palästina besuchen.