Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 295)
- Language
- German, English, Hebrew
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292 io. Kongreß-Sitzung: Generaldebatte „Den wichtigsten Grund hierfür bildet die Versicherung, daß der Legislative Council, wie er jetzt von der Regierung geplant wird, in seinen Beschlüssen durch keinerlei Beschränkungen (safe guards), noch durch Vorbehalt gewisser Gegenstände (reserved subjets) begrenzt sein wird. Den Arabern wird es also möglich sein, selbst über den Umfang der jüdischen Einwanderung oder den Verkauf von Land an Juden zu bestimmen. Es bleibt eine inhaltslose Phrase — so schreibt der Korrespondent weiter —, wenn bestimmt wird, daß keine Gesetze beschlossen werden können, welche zu den Bestimmungen des Mandats im Widerspruch stehen/4 Wissen Sie, was das heißt? Das heißt, daß uns ein Kampf bevorsteht, wie wir ihn vorher nie zu kämpfen hatten, ein Kampf y den uir gcwiiuien müssen; denn wenn wir ihn verlieren, wird uns diese Niederlage auf Generationen zurückwerfen. Und wie müssen wir diesen Kampf führen, um nicht zu unterliegen? Nur von der Front der Jud'jftstaatsidee her! Nicht von der Front eines binationalen Palästina, nicht von der Front eines geistigen Zionismus. Wir können nur dann mit Recht gegen ein Parlament protestieren, wenn wir auf dem Standpunkte des Judenstaates stehen (Lebhafte) Beifall bei der Judenslaatspartei). Ich gehe nun noch zur Betrachtung des Zustandes über, in dem sich heute die Zionistische Organisation befindet. Wir Judenstaatler stehen auf dem Standpunkte, daß die Zionistische Organisation nur vom Gedanken des Judenstaates getragen und erhalten werden kann. In vierzehn Tagen findet in Wien der Kongreß der „Neuen Zionistischen Organisation" statt. (Zwischenruf: Es ist keine zionistische Organisation, es ist gegen die Zionistische Organisation.) Ich weiß nicht, was ich dazu .sagen soll. Wenn ich offen über diesen Zwischenruf spräche, würde mich der Herr Präsident gewiß zur Ordnung rufen. Die Bedeutung dieser Angelegenheit ist auf diesem Kongreß in sehr dürftiger Form gewürdigt worden. Der Vorsitzende des Kongreßgerichtes, Herr Gronemann, hat davon gesprochen, daß die Revisionisten weggegangen sind, und daß die Folge davon sei, daß mehr Schekel verkauft wurden. Dann hat er noch gemeint, daß Kongreßgericht werde von nun an weniger zu tun haben. Ich beneide Herrn Gronemann um seine heitere Auffassung. (Zwischenrufe). Was die „Neue Zionistische Organisation41 ist, das brauchen Sie mir nicht in Zwischenrufen zu sagen. Der Kronzeuge gegen diese „Neue Zionistische Organisation14 sind nicht Sie, sondern wir. (Zwischenruf: Wehe uns!) Sie beweisen nur Ihr Unverständnis, wenn Sie auf diese Feststellung wieder mit einem Lachen antworten. Es liegt eine folgenschwere Spaltung vor, und der Grund für diese Spaltung ist ein Gedanke, der von zwei zionistischen Gruppen großgezogen wurde, zuerst von der zionistischen Linken. Es ist der Gedanke der T.otalität, der totalen Machtergreifung innerhalb der Zionistischen Organisation. Dieser Gedanke ist von unserer Linken mit einer solchen Konsequenz durchgeführt worden, daß zum Beispiel zehn Minuten Redezeit für einen oppositionellen Redner, für Sic ein Kampfanlaß ist.