Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 285)
- Language
- German, English, Hebrew
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282 Zehnte Kongreß-Sitzung. Sonnabend, 24. August 1935, abends. Beginn der Sitzung: 21 Uhr io Min. Vorsitz: Präs. Dr. Ch. Weizmann. BARUCH ZUCKERMANN (Arb., Amerika — spricht jüdisch): Eigentlich hatte ich gehofft, daß die ganze Generaldebatte einen anderen Charakter tragen würde. Ich war der Meinung, daß sich der Kongreß nach den Reden von Ben-Gurion und Ruppin mit all den konstruktiven Fragen beschäftigen werde, die in den beiden Referaten angeschnitten worden sind. Zu meinem Bedauern wurde die Diskussion jedoch in Bahnen gelenkt, die dem Kongreß wenig Nutzen bringen werden. So haben viele Reden, sogar die unseres Freundes Dr. Goldmann den Eindruck erweckt, als sei der Kongreß so zusammengesetzt, idaß auf der einen Seite eine Klasse sitzty auf der anderen dagegen das' Volk. Man sollte doch richtig verstehen, wo wirklich das Volk und wo eine Klasse sitzt. Warum ist es so gekommen, daß der Teil des Kongresses, der hier als Klasse bezeichnet wurde, von Kongreß zu Kongreß wächst, und woher kommt es, daß jene, die sich als das Volk bezeichnen, von einem Kongreß zum anderen leider nicht stärker werden? In meinen Augen ist es kein Zufall, daß gerade die „Klasse44 von Kongreß zu Kongreß stärker wird. Ich rede mir gar nicht ein, daß alle, die für unsere Liste gestimmt haben, der Arbeiterklasse angehören. Es wäre z. B. interessant zu sehen, wer die 200.000 Juden sind, die in Polen und Galizien die Liste dieser „Klasse" gewählt haben. Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn man dabei feststellen würde, daß für diese Liste mehr fromme und religiöse Juden gestimmt haben als für die offizielle religiöse Liste (Zivischenrufe auf den Bänken des Misrachi). Es wundert mich ferner nicht, daß von den Angehörigen des Mittelstandes, in dessen Namen hier mancher spricht, mehr für unsere Liste gestimmt haben als für jene, die sich das Recht nehmen, im Namen des Volkes zu sprechen. Man soll auch nicht glauben, daß das ein Zufall ist. Der Kongreßwähler in der ganzen Welt weiß wohl zu unterscheiden, wo seine wirklichen Interessen liegen, und wenn er es nicht versteht, haben wir die Kraft, es ihm begreiflich zu machen. Wir sind die Letzten, die jemanden aus der Zionistischen Organisation hinausdrängen wollen. Sollte jedoch z. B. Herr Großmann mit seinen Zehntausenden von Anhängern den Kongreß verlassen, es uns jedoch andererseits gelingen, weitere Hunderttausende von Schekelzahlern im jüdischen Volke zu mobilisieren, die für die Liste einer „Klasse4' stimmen, haben wir dann an „Volk44 verloren? Wir würden dann beim nächsten Kongreß die Massen, die hinter der Zionistischen Organisation stehen, nur vergrößert haben. Deshalb kann uns Großmann nicht mit der Drohung schrecken, daß er uns seinen Flügel wegnehmen wird. Sollte es dazu kommen, dann werden wir mit neuen Hunderttausenden