Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 230 (sequence 233)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476292--9274-3485425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 7- Kongreß-Sitzung: Generaldebatte wir in einem Zustand ständiger Angst und wissen nicht, was uas der i. April und i. Oktober bringen wird. Wird uns die Regierung 2000, 10.000 oder gar keine Zertifikate geben? Wie kann man unter solchen Umständen kolonisieren oder ein Land aufbauen? Deshalb fehlt unserer Politik auch die feste Linie. Das Fehlen einer eindeutigen Verständigung mit England über unsere Zukunft macht uns nervös undungeduldig, und unter dieser Systemlosigkeit leidet die ganze zionistische Bewegung. Wenn es Ihnen heute, angesichts unserer Leistungen in Palästina und der erdrückenden jüdischen Not in der ganzen Welt nicht gelungen ist, mit der Mandatarmacht zu irgend einem Abkommen zu gelangen, wann glauben Sie, wird das überhaupt möglich sein? Man kann nicht jahrelang in der Luft hängen. Gewiß: wir haben eine steigende jüdische Einwanderung, wir schaffen eine blühende Wirtschaft, es wäre aber grundfalsch, zu behaupten, daß man das als Aufbau des Judenstaates bezeichnen kann. Juden nach Palästina zu bringen, genügt noch lange nicht. Man muß sie mit dem Boden verwurzeln und langsam in die Verwaltung des Landes eindringen, weil sonst aus Palästina ein neues Ghetto wird. Sie sprechen davon, daß die Exekutive vieles erreicht habe. Ist das richtig? Ist es ihr gelungen, die Flucht der Arbeiter vom Lande ia die Stadt zu verhindern? Hat sie die Industrie gestärkt? Hat sie etwas für den Mittelstand geschaffen? Hat sie überhaupt etwas Neues und Schöpferisches geleistet? Das, was man uns hier erzählt, stellt sich bei gründlicher Untersuchung als Irreführung der öffentlichen Meinung dar. Wahr ist, daß die Exekutive mancherlei konsolidieren konnte; sie hat die Finanzen geordnet und eine Anleihe erhalten. In ihrer Kasse, befindet sich sogar etwas Geld. Aber wer hat heute in Palästina kein Geld? Wer kommt in Palästina in der Zeit der Prosperitv nicht zu Geld? Ich würde viel Zeit brauchen, wollte ich Einzelheiten über die Lage der jüdischen Wirtschaft, Industrie und Finanzen anführen. Ich kann diese Fragen leider nur streifen. Wir haben zwar viel Geld ins Land gebracht, aber dieses Geld wurde entweder wieder aus dem Lande ausgeführt oder in verschiedene nichtjüdische Hände geleitet. Der Jischuw ist größer, aber zugleich ärmer geworden. Unser Geld, das wir einführen, kommt anderen zugute. Fünfeinhalb Millionen Pfund betragen die Einnahmen der Regierung, es ist unser Geld. Mindestens 10 Millionen sind für den Import ins Ausland gegangen. Millionen Pfund jüdischen Geldes erhalten die Araber für Bodenkäufe. Man muß der Wirklichkeit ins Auge blicken! Was Sie aber treiben, ist Ihre alte Vogel-Strauß-Politik! Verdienste dieser Exekutive! Was haben Sie für die Industrie geleistet, für die Exportförderung, für Tozereth- Haarez und für die Organisierung des jüdischen Kapitals? Sie haben nichts Positives schaffen können! Es ist ein großes Unglück, daß Sie mit schönen Phrasen eine Wirklichkeit vortäuschen wollen. Ich aber halte es für meine Pflicht, die wirkliche Lage zu enthüllen. Ich kann heute nicht über die allgemeinen Richtlinien unserer Politik sprechen, sondern will mich »ehr mit praktischen Dingen befassen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.