Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 126)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9167-3485318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Goldmann, Weizmann, Brod, Großmann, Kaplan 123 VORS. PRÄSIDENT DR. CH. WEIZMANN: Das Wort hat Herr Kaplan. MEIR GROSSMANN (Judenst., A.C. — jüdisch): Ich muß bemerken, daß die Tagesordnung vom Kongreß noch nicht bestätigt wurde. Weiter habe ich noch keine Antwort auf meine Anfrage wegen der Uniformen im Saale erhalten. VORS. PRÄSIDENT DR. WEIZMANN: Herr Großmann, Sie werden später das Wort bekommen. Jetzt habe ich das Wort bereits Herrn Kaplan erteilt. (Zivischenrufe seitens der ]udenstaatspartei: Das ist keine Geschäftsführung!) REFERAT ÜBER WIRTSCHAFT UND FINANZEN. ELIESER KAPLAN (Mitgl. d. Exek., mit langandauerndem Beifall begrüßt — spricht hebräisch): Die letzten beiden Jahre stellen den Anfang einer neuen Epoche im Leben unseres Volkes und Palästinas dar, einer Epoche nie dagewesener Zerstörung großer jüdischer Gemeinschaften und umfassenden Aufbaues in Palästina. Zwischen diesen beiden Erscheinungen besteht ein starker Zusammenhang. Hunderttausende und Millionen von Juden verkommen in der Diaspora und sehen keine Lebensmöglichkeit vor sich. Der Ausweg, den die Juden früher in Zeiten schwerer Krise vor sich sahen, die Auswanderung, ist ihnen in dieser Epoche versperrt worden. In den Jahren 1933/1934 wanderten in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und nach Südafrika insgesamt etwa 5800 Menschen ein. Selbst das große Unglück in Deutschland und die Sympathie anderer Völker für die dortigen verfolgten Juden änderten diesen Zustand nicht, und alles Suchen des High Commissioner für die Flüchtlinge war fruchtlos. Die große Welt ist für die Juden sehr klein geworden. In dieser Periode eröffnete nur Erez Israel in weiterem Ausmaße seine Tore dem Wanderstrom unseres Volkes. Im Jahre 1932 wanderten nach den offiziellen Ziffern etwa 10.000 Personen nach Palästina ein, im Jahre 1933 etwa 30.000, 1934 etwa 42.000 und in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 1935 über 35.000. Auch diese Alijah befriedigt jedoch nicht die Bedürfnisse des Volkes, und der Andrang vor den Toren des Landes wird immer größer. Erez Israel ist zur einzigen Hoffnung von Hunderttausenden von Juden geworden und das Zertifikat zum Zentrum des Interesses nicht nur für Chaluzorganisationen, sondern auch für die Volksmassen. DIE STRUKTUR DER EINWANDERUNG. Die Einwanderung ist eine Massenerscheinung geworden. Sie erfaßt immer weitere Kreise. Noch im Jahre 1933 bildeten die Arbeiter 6275,0/0 der Gesamtzahl der Einwanderer. Im Jahre 1934 sank der Prozentsatz auf 520/0. Die Zahl der Einwanderer der Kategorie A (Kapitalisten) stieg demgegenüber von 230/0 im Jahre 1933 auf 260/0 im Jahre 1934. Die Kategorie D (Verwandte) stieg von etwa 90/0