Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 86)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben-Gurion 83 uns über die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Verwirklichung klar werden, müssen wir die Instrumente der zionistischen Bewegung untersuchen und sie den Aufgaben der Stunde und der Generation anpassen. Wir müssen uns selbst und der Welt klar riachen, welche! das Werk dieser Generation und dieser Stunde ist. DAS WERK DER STUNDE UND DAS WERK DIESER GENERATION. Es ist nicht schwer, große, weitgehende Ziele aufzustellen. Es ist nicht schwer, in einem Volke, das unter der Last seiner Leiden zusammenbricht, große Hoffnungen zu erwecken und Versprechungen zu machen. Es gibt jedoch kein schwereres und grausameres Verbrechen, als leichtsinnig mit den Hoffnungen eines Volkes zu spielen und übertriebene Hoffnungen zu erwecken, ohne all die Schwierigkeiten und Hindernisse zu sehen, die mit der Verwirklichung verbunden sind. Wir haben kein Recht, in hohen Tönen über die Zukunft zu sprechen, wenn das, was wir heute tun, nicht autf diese Zukunft gerichtet ist % wenn unser Tun nicht in jedem Augenblick von starkem Willen, begeistertem Glauben und der Fähigkeit, etwas durchzuführen, begleitet ist, von Kräften, die imstande sind, den Weg in die ersehnte Zukunft zu bahnen. Diejenigen, die in der Gegenwart nichts leisten", die immer nur die Zukunft im Munde führen, tragen den Nam«n Zionisten zu Unrecht und entweihen den Schmerz und die Hoffnung des Volkes. Das, was wir heute tun, wird jedoch andererseits schwach und unzulänglich sein, wenn es nicht überstrahlt ist von der Vision der Zukunft, wenn es nicht nach Größerem strebt, nach dem letzten Ziele., der völligen Erlösung. Wir müssen also zur Klarheit gelangen über das Werk dieser Stunde und das Werk dieser Generation, weil die Grenzen ineinander übergehen. Es ist uns nicht gegeben, in die Zukunft zu schauen; unsere nächste Tätigkeit aber muß eingespannt sein in den Rahmen einer weiteren Zeit, in den Rahmen unserer Generation, damit wir wenigstens wissen, was unsere Aufgabe in unserer eigenen Lebenszeit, in den nächsten 25 bis 30 Jahren ist. Keiner von uns kann im voraus wissen, was sich selbst in unserer eigenen Lebenszeit ereignen wird. Welcher Politiker und welcher nachdenkliche Mensch hätte von 25 Jahren, im Jahre 1910, voraussagen können, welche politischen und sozialen Tendenzen in der Welt im Jahre 1935 herrschen werden? Wer von uns wollte prophezeien, wie die Welt i960 aussehen wird? DER VERLUST DES RUSSISCHEN JUDENTUMS. Im Gefolge der Veränderungen, die sich in den abgelaufenen 25 Jahren vollzogen haben, möchte ich nur auf ein Ereignis hinweisen, das das Antlitz des Judentums verändert und die fruchtbarste und schöpferischeste Kraft, die in unserem Volke wirksam war, von uns losgerissen hat. Vor 25 Jahren stand das russische Judentum an der» Spitze des jüdischen Volkes. Es war die Heimat der Chibbat-Zion-Be- 6*