Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 73)
- Language
- German, English, Hebrew
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70 /. Kongreß-Sitzung: Referat über die Luge der Juden. eines Volkes mit seiner Religion und Geschichte, dem das scheinbar Unmögliche nur der Ansporn zu kühneren Taten ist, kann hier helfen. Und dazu braucht es eines straften Bandes der Zusammenfassung und Einfügung in einen nationalen Idealismus, der nur durch den Zionismus wachgerufen werden kann. Düster ist das Bild, das wir entworfen haben, aber trotz allem leben wir. Wahrlich, unser bloßes Dasein, unsere Erhaltung ist ein Wunder Gottes. Das jüdische Volk leidet, und doch lebt es heutzutage intensiver denn je, begeisterter und tatkräftiger denn je. Aus diesem beispiel losen Volksdrama strahlt in die Galuthnacht ein Lichtstrahl hinaus, der Gruß aus Zion. Ein bescheidenes jüdisches Lichtlein, aber bestimmt, j zu einer Strahlenkraft für den Orient und für die ganze Menschheit j zu werden. In Erez Israel werden die Wurzeln des jüdischen Stammes j gebettet sein, dessen Wipfel sich in die Welt erheben werden. Das ist j unser Trost. i Und noch einen Trost finden wir, wenn wir das Buch der Erinnerung, 1 unsere leidensreiche Geschichtschronik öffnen, um zu lesen, was der Griffel der Zeit in sie hineingeschrieben hat. Diese Chronik erzählt uns j von Prüfungen und Kämpfen, Gefahren der Vernichtung und Verkümmerung, von Perioden der Verzagtheit und der Verzweiflung, aber auch von Treue und Standhaftigkeit, von Heldenmut und Seelengröße. Was j. ist nicht zu allen Zeiten aufgeboten worden, unseres Volkes Existenz zu untergraben! Staatskunst und Volksgewalt, wie haben sie sich daran erschöpft, wie ist der „Zahn der Zeit" daran stumpf geworden! Wohl i haben uns die Verfolgungen unsäglichen Jammer bereitet, Zehntauseni den und Aberzehntausenden Hab und Gut, Leib und Leben gekostet, ] aber unser Volk ist nicht zerstört; denn mit uns ist Gott. j Noch haben wir edle Freunde in der Welt, aber neben der Hilfe \ der Menschen brauchen wir den Einfluß unseres eigenen Ideals, das uns in allen Lagen beigestanden, uns durch die schwersten Zeiten get leitet hat. Unser Ideal wird uns auch ferner beistehen. ] Ist der Zionismus die Lösung der Juden frage? Ja, auch materiell j ist er die Lösung der Judenfrage, wenigstens eines bedeutenden Teiles \ von ihr, durch das Nationalheim in Erez Israel. Aber das ist nicht j alles. Die Verfolgten aufzurichten, ihre bedrückten Herzen freizuj machen, ist das tiefe Geheimnis des geistigen Zionismus für die Lösung i der Judenfrage. Wo immer der Jude Zionist wird, d. h. seiner morali- \ sehen inneren Freiheit bewußt wird, kann er den Ketten, die ihn j drücken, nicht erliegen. Das ist das Wichtigste in der Lösung der Judenfrage: Nicht erliegen! Der Zionismus ist die Erziehung des jüdischen Volkes zu einem Edeldascin, zugleich auch eine Heilung von all den Gebrechen und Anomalien, die durch das Ghetto einersei :s und die i\ssimilation andrerseits im Leben und Charakter des Juden hervorgerufen worden sind. Hierdurch bringt der Zionismus die 4 uden den Kulturvölkern näher, macht sie ihnen verständlicher; ihre Sphinxart verschwindet, das Allgemein-Menschliche tritt mehr in den Vordergrund. Poten%iell und logisch ist die Judenfrage im Zionismus schon fetzt