Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 47)
- Language
- German, English, Hebrew
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44 /. Kongreß-Sitzung: Begrüßungen und idealer eine Idee ist, um so länger wird regelmäßig die Zeit sein, deren sei bedarf, um verstanden zu werden und sich zur praktischen Gestaltung durchzuringen. Als Ihr großer Führer üheoäor Herzl im Jahre 1897 au^ dem ersten Kongreß in Basel seine Idee entwickelte, hat die Welt aufgehorcht. Die Ueberraschung und das Aufsehen waren gewaltiger als der Glaube an die Durchführbarkeit der Idee. Auch im Schweizer Lande betrachtete man die Idee als eine Utopie und deren Verfechter als Idealisten, die nicht mit der Wirklichkeit zu rechnen verstehen. Theodor Herzl war ein großer Seher, der aber bereits auf dem Boden der Realität stand. Seine Idee war wohl vor allem der Ausdruck seines großen Herzens und der Liebe, mit der er sein Volk umfaßte. Und doch hat er schon in Basel für die Verwirklichung seiner Idee praktische Bahnen gewiese i. Ich erinnere mich noch sehr wohl der Schilderung des gewaltigen Eindrucks, den das erste Auftreten Herzls in der Schweiz gemacht Kitte und wie alle, die ihn hören durften, vom Banne der geistigen Mac.it, die von ihm ausging, erfaßt wurden. Ich erachte es als meine Pflicht, .mich heute, da ich als Vertreter der Behörden auf dieser Stelle stehe, vor der Größe Ihres Führers Herzl, der Macht seines Geistes und seines Herzens in hhrfurcht zu verneigen (Langanhaltender Beifall). Während des Zionistenkongresses in Zürich im Jahre 1929 hat das Liuftschiff Zeppelin seine erste Amerika-Fahrt angetreten. In den weitesten Bevölkerungskreisen bestanden schwere Zweifel an der Möglichkeit der endgültigen Lösung dieses Fernfahrt-Problems. Und doch ist das Problem in glänzender und bleibender Weise gelöst worden. Ist es zu weit hergeholt, wenn ich Ihre Ziele und Ihre Bestrebungen mit jenem Problem in Vergleich setze? Oder läßt sich nicht auch aus dem Gelingen jenes Fern-Problems für Sie die Hoffnung aufbauen, daß auch Ihren Fernbestrebungen ein ähnlicher Hrfolg beschieden sein werde? Die Entwicklung, welche die zionistische Idee erfahren hat, darf dieser Hoffnung Raum gewähren. Durch Ihre Kongresse ist die Zahl der um das Basler Programm vom Jahre 1897 sich scharenden Männer immer größer und dadurch auch der zionistischen Idee vermehrte Stoßkraft verliehen worden. Nicht an uns ist es, darüber mitzuberaten, was zur Ausführung des zionistischen Plans geschehen soll. Aber das steht uns wohl zu, Ihnen zu sagen, daß unsere besten Wünsche für einen glücklichen Verlauf Ihre Arbeit begleiten (Stürmischer Beifall). Das gchweizervolk hat jahrhundertelang für seine Freiheit und Unabhängigkeit gekämpft und ist auch heute vom unerschütterlichen Willen beseelt, sie zu bewahren. Um so mehr dürfen Sie darauf zählen, daß dieses Schweizervolk die Sehnsucht eines anderen Volkes nach Befreiung .zu verstehen und dem, Kampf für diese Befreiung seine volle Sympathie entgegenzubringen weiß. Die Atmosphäre unseres Landes hat sich bis jetzt fast immer jedem großen Werke gegenseitiger Verständigung als günstig erwiesen. Möge in dieser Atmosphäre Ihren Bestrebungen, vor allem auch den hochinteressanten sozialen Versuchen und der für die ganze Menschheit bedeutungsvollen Kultur-