Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 367)
- Language
- German, English, Hebrew
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367 Zwölfte Kongreßsitzung. Mittwoch, 30. August 1933, nachmittags. Beginn der Sitzung 16 Uhr 40 Min. Vorsitz: Präs. Motzkin. Dr. EMIL MARGULIES (Rad., Cechoslovakei — spricht deutsch); Ich spreche als der dreihundertzwanzigste Delegierte, als einer, der nur für sich selbst spricht. Ich kann und will nicht weltanschauliche Fragen aufwerfen, sondern will mich nur mit einigen konkreten Fragen befassen. Ich habe den Bericht der Exekutive gelesen, weil ich wissen wollte, was die Organisation in diesen Tagen getan hat, was sie zu sagen hat über all das, was sich in diesen Monaten für einen Teil des jüdischen Volkes ereignet hat. Was hat sie getan und was hat sie zu sagen über den Kampf, den man in Genf für das Recht des jüdischen Volkes geführt hat? Ich habe in dem Bericht geblättert, doch ich habe das Wort „Deutschland44 und das Wort „Genf44 nicht gefunden; und ich frage mich: Wie ist das möglich? Drüben, jenseits der Grenze, ist ein Brand ausgebrochen, Hunderttausende sind bedroht, werden ihres Eigentums beraubt, aus Leben und Erwerb hinausgedrängt, Kinder werden in den Schulen erniedrigt; man versucht, ein Volk nicht etwa zur Minderheit zu stempeln, sondern es außerhalb aller Menschenrechte auch außerhalb der Minderheiten zu stellen. Und dabei geht es nicht etwa nur um die 500.000 Menschen, nicht um eine bestimmte, wenn auch große Zahl, wie etwa in Rußland, es geht um das Schicksal des ganzen jüdischen Volkes. Es bebt unter uns die Erde, morgen kann es in Oesterreich zu brennen beginnen und übermorgen in Rumänien oder in anderen Ländern, und wir sehen vielleicht ein jüdisches Blutbad, in dem die Kultur des Abendlandes ertrinken wird. Die Zionistische Organisation aber ist unzuständig für diese Fragen! Man muß sich diesen Begriff der Unzuständigkeit nur recht vorstellen . Wir Juristen wissen, was das heißt. Der Weg zum Völkerbund ist mit Zuständigkeitsfragen wie mit Fußangeln umstellt; aber ist es möglich, zu sagen, daß eine lebendige Organisation des jüdischen Volkes unzuständig ist für die Schicksalsfrage dieses Volkes, wenn es sich darum handelt, um das Lebensrecht dieses Volkes zu kämpfen? Was sich in Genf ereignet hat, war nicht ein Kampf für oberschlesische Juden oder nur für deutsche Juden; wenn sich das jüdische Volk nicht zur Wehr gesetzt hätte, dann hätte es sein Recht auf Gleichberechtigung preisgegeben und dadurch endgültig verloren, und Deutschland wäre beispielgebend geworden für die ganze übrige Welt. Die Organisation aber, die Theodor Herzl aus dem Erleben des jüdischen Schicksals geschaffen hat, ist unzuständig für die jüdische Frage! Was wird die jüdische Welt dazu sagen, die hier gehört hat, was die Organisation, die. sie als die legitime Vertretung des jüdischen Volkes angesehen hat, auf die neuaufgerollte Frage des jüdischen Schicksals für eine Antwort gegeben hat? Als wir versuchten, hier von dieser Tribüne Antwort zu geben, da ist die Feuerwehr gekommen und hat in die Empörung und Leidenschaft so lange