Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 360)
- Language
- German, English, Hebrew
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360 Ii. Kongreßsitzung: Generaldebatte hinter den Kulissen verhandelt, bis die wirtschaftlich Abhängigen wegfahren müssen und schließlich nur die durch Stellungen wirtschaftlich Unabhängigen übrig bleiben. Dabei sind es nicht programmatische Fragen, sondern vor allem Personenfragen, die der Lösung harren. So sehr ich Weizmann respektiere und ihm für alles, was er geleistet hat, dankbar bin, so sehr würde ich es bedauern, wenn er sich heute entschließen würde, dem Ruf einer einzigen Partei zu folgen. Ich bin überzeugt, daß Weizmann einen solchen Ruf nicht annehmen wird, wenn nicht der ganze Kongreß hinter ihm steht. Berl Katznelson hat heute gesagt, daß wir nicht früher arbeitsfähig sein werden, als bis die Stimmung, die hier herrscht, beseitigt ist. Das ist unrichtig; die Befriedung muß von diesem Kongreß ausgehen und die stärkste Partei ist verpflichtet, Konzessionen zu machen, damit der Kongreß vorwärtskommen kann. Es war gewiß ein psychologischer Irrtum, daß die jüdischen Massen gerade bei den Wahlen zu diesem Kongreß in so starkem Maße links gestimmt haben. Es wird ein noch größerer psychologischer Irrtum sein, wenn die Linke ihre übermäßig große Zahl von Delegierten auf diesem Kongreß dazu benützt, um diesen Kongreß arbeitsunfähig zu machen. Wir dürfen nicht von hier fortgehen, ohne getan zu haben, was das Gebot der Stunde ist: eine Exekutive zu wählen, welche, zur Welt zu sprechen vermag und imstande ist, eine neue Diskussion der Judenfrage auf einem internationalen Forum herbeizuführen (Beifall). DR. NATHAN MELZER (Arb., Polen — spricht jüdisch): Wir stehen vor einer ernsten Situation auf dem Gebiete der Politik und vor ernsten Aufgaben. Die Erfüllung dieser Aufgaben ist nur dann möglich, wenn die Bewegung reorganisiert wird, wenn sie eine neue Gestalt bekommt, wenn endlich der Anarchie, die in der Bewegung herrscht, ein Ende gemacht wird. Der Kongreß hat die große Aufgabe, eine organisatorische Reform durchzuführen und die Grundlage für einen Territorialverband zu schaffen, in dem alle wichtigen Gebiete der zionistischen Arbeit, vom Keren Kayemeth und Keren Hajessod angefangen bis zur Hachschara, behandelt werden, jetzt sind sie von der Bewegung losgerissen und einem bürokratischen Apparat überlassen. Die ganze Bewegung muß reorganisiert und konsolidiert werden. Leider bildet gerade die Partei des zionistischen Zentrums, die so gern die Rolle der Staatspartei im Zionismus für sich in Anspruch nimmt, das Haupthindernis für die Durchführung dieser Reform. Wir müssen zur produktiven Arbeit übergehen. Der Allgemeine Zionismus hat viel zur Spaltung der Bewegung beigetragen. Bei aller Meinungsverschiedenheit muß die programmatische Basis, für eine Koalition gefunden werden, es muß eine klare Verständigung,, eine loyale Zusammenarbeit Zustandekommen, und die häßliche Hetze gegen die Arbeiterschaft muß aufhören. Der Allgemeine Zionismus, der so viel Pathos für die Forderung des einheitlichen Schulsystems in Palästina aufzubringen versteht, vergißt plötzlich seine Losung von nationaler Solidarität und Einheit, wenn es sich um die Einheit des Hechaluz, der Histadruth und der Knesseth Israel