Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 318)
- Language
- German, English, Hebrew
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318 io. Kongreßsitzung: Generaldebatte so deutliches Nein, daß es Verständnis und Zustimmung beim ganzen jüdischen Volk gefunden und vermutlich auch bei der Mandatarregierung Zweifel hervorgerufen hat. Die Exekutive hatte den Mut „nein" zu sagen, und auch die nächste Exekutive, wie immer ihre Zusammensetzung sein mag, wird weiter „nein" sagen müssen zu dem Vorschlag einer Boden Verordnung, einem sonderbaren und kleinlichen Plan, „arabische Pächter zu schützen", einem schlecht verhehlten Versuch, die Erfüllung der Balfour-Deklaration und des Britischen Mandates zu verschieben, zu verhindern, ja unmöglich zu machen. Dieser XVIII. Zionistenkongreß muß die kleinen Streit- und Kampffragen beiseite schieben und der Exekutive seine unmißverständliche Unterstützung gewähren, indem er die Zustimmung zum Gesetzgebenden Rat, die vor zehn Jahren gegeben wurde, die nie hätte gegeben werden dürfen, formell und feierlich zurücknimmt. Unsere Exekutive hat tapfer „nein" gesagt zu dem Vorschlag der Anleihe, der eine unerhört ungerechte Verwendung von Geldern bedeutet. Der XVII. Kongreß stimmte für absolute Gleichberechtigung bei der Verwendung der Gelder und nicht für ein bestimmtes Verhältnis, sei es 60 zu 40, 70 zu 30 oder 90 zu 10. Auch hier wieder muß der XVIII. Kongreß der Exekutive feierlich Rückhalt geben und der nächsten Exekutive ihren Weg vorschreiben, hauptsächlich indem er Männer in die Exekutive wählt, die frei sind und deren Freiheit nicht durch ihre eigenen früheren Zusagen aufgehoben ist. Die jetzt endende Amtszeit unserer Exekutive wird schon aus einem einzigen Grund bedeutungsvoll sein. Die Palästina-Exekutive suchte unter der Führung von Arlosoroff, Neumann und Farbstein die Tore Trans Jordaniens zu öffnen, nicht mit der Keule, mit Macht oder Gewalt, sondern durch freundschaftliche arabisch-jüdische Verständigung durch echt staatsmännische Ausnützung einer zehn Jahre vernachläßigten Möglichkeit. Ich gestehe, daß ich eine Führerschaft nicht begreife, die gerade nur lange genug auf der Szene erscheint^ um den sinnlosen und giftigen Spruch zu äußern, man könne die Araber nicht ändern. Die Exekutive hat das auch nicht versucht. Sie hat versucht, Beziehungen mit den Arabern herzustellen, um die Mißstimmung zu beseitigen, die unsere frühere Führung geschaffen hatte, die vor zwei Jahren noch sagte, eine jüdische Mehrheit sei ein Versuch, die Araber zu vertreiben. Weitreichende, nützliche, konstruktive Verhandlungen wurden unnötigerweise erschwert und fast vereitelt durch Reden wie die in Chicago gehaltene. Unsere Exekutive verdient Ehre und Dankbarkeit in der zionistischen Geschichte, und keine Rede von Chicago wird diese große und bleibende zionistische Leistung ungeschehen machen. Für eine solche Rede habe ich nur Verachtung (Vors. Fräs. Motzkin fordert den Redner auf, dieses Wort zurückzunehmen). Da unser Vorsitzender wünscht, daß ich dieses Wort zurücknehme, tue ich es. Man sagt uns immer, Geduld sei eine Tugend; sie ist eine persönliche Tugend. Aber übermäßige Geduld einer Gesamtheit kann ein schwerer Fehler werden. Politische Uebergeduld führt zu plan-