Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 196)
- Language
- German, English, Hebrew
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196 6. Kongreßsitzung: Deutschland-Resolutionen werden. Bei dieser Betrachtungsweise kann die Frage nicht lauten, ob der Einfluß des Judentums gut oder schlecht war, sondern in welchem Maße das Judentum Bausteine zur heutigen Weltkultur beigetragen hat. Und da kann es angesichts der großen Rolle der Religion in der Weltkultur und angesichts des großen Anteils der Juden an der Religionsentwicklung nicht zweifelhaft sein, daß es nur wenige Völker gibt, die sich mit den Juden in Bezug auf ihren Beitrag zur Weltkultur messen können. Aber die Leistungen der Juden beschränken sich nicht auf das religiöse Gebiet. Es würde viel zu weit führen, wollte ich hier eine Uebersicht über die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Technik, der Kunst geben. Ich glaube, es wird genügen, wenn ich hier nur aus der neuesten Zeit und nur aus dem deutschen Sprachgebiete — und die Juden in anderen Ländern haben ähnliche große Namen aufzuweisen — an die Namen von Paul Ehrlich, August von Wassermann, Karl Landsteiner, Willstätter, James Franck, an Fritz Haber, an Albert Einstein, an Siegmund Freud, an Max Liebermann erinnere, um zu zeigen, was die Juden in der Welt des Geistes bedeuten. Die Namen dieser Juden werden in der Welt noch fortleben, wenn diejenigen, die ihre Leistungen heute verkleinern, längst vergessen sein werden. In dieser schicksalschweren Zeit, in der der Niederbruch der deutschen Juden uns wieder einmal das besondere Schicksal des jüdischen Volkes^ vor Augen geführt und uns gelehrt hat, daß unsere Leidenszeit noch nicht zu Ende ist, hält uns die Tatsache aufrecht, daß so viele führende Persönlichkeiten und Gruppen in der Welt uns ihre Sympathie bezeugt haben. Es muß weiter für die deutschen Juden in ihrem Unglück ein Trost sein, daß ihr Schicksal die ganze Judenheit bis in die entfernteste Peripherie aufgerührt hat. Es muß jetzt unsere Aufgabe sein, die Sympathien der Welt und die Hilfsbereitschaft der Judenheit zu einer großen Tat zu verdichten und dem Teil der Juden, die in Deutschland nicht mehr bleiben können, in anderen Ländern eine Zuflucht zu verschaffen, wo sie in Sicherheit und Freiheit leben und arbeiten können. Von diesem Kongreß soll die Parole ausgehen, welche die Juden der Welt, welcher Richtung sie auch angehören, zu einer einheitlichen Aktion aufruft und in den deutschen Juden die Hoffnung erweckt, daß es aus ihrer Not noch einen Ausweg gibt (Lebhafter, lang andauernder Beifall). PRÄS. MOTZKIN übernimmt wieder den Vorsitz und teilt mit, daß der Kongreß um 5 Uhr nachmittags wieder zusammentreten werde, um über die Vorschläge der Kommission in der Frage der deutschen Juden zu beschließen. Die Sitzung wird um 13 Uhr 45 Min. unterbrochen. VORS. PRÄS. MOTZKIN eröffnet um ij Uhr die mittags unterbrochene Sitzung und teilt mit, daß die Unterbrechung infolge notwendig gewordener Verhandlungen der vom A.C. eingesetzten Kommission über die deutsche Frage bis 20 Uhr 30 Min. fortdauere. (Nach Wiedereröffnung der Sitzung um 21 Uhr):