Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 68)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8475-3484625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 2. Kongreßsitzung: Politisches Referat moderne Kultur repräsentieren. Manchmal staune ich, wie die Nationen der Welt das Problem des Judentums in Bezug auf Palästina auffassen. Manchmal scheinen sie so zu denken: Es ist für ein paar Juden möglich, sich auf ein paar Bodenstückchen in Palästina anzusiedeln; wenn das für niemanden anderen Unannehmlichkeiten mit sich bringt, wenn diese Juden wirklich nachweisbar altruistisch sind und es anderen zu Liebe tun, dann sind wir, die Menschheit, bereit, es ihnen zu erlauben. Manche möchten unsere Hilfe bei der kulturellen Entwicklung des Orients, andere wollen, daß wir diesen Durchgang zwischen Ost und West aufschließen, manche erwarten von der jüdischen Rückkehr nach Palästina für die Menschheit eine neue Generation von Propheten, eine neue Auslegung menschlich ethischer Geistigkeit, andere finden unsere soziologischen Experimente interessant. Wenige sehen bisher in der jüdischen Rückkehr nach Palästina unseren nationalen Kampf um die Befreiung von Knechtschaft. Ich denke, die Menschheit wird uns ernster nehmen, wenn wir heute auftreten und offen sagen: wir sind glücklich, wenn unsere Arbeit in Palästina den Orient zu entwickeln hilft oder die Verbindung zwischen Ost und West erschließt, wenn sie Euch neue Jesaias oder neue Möglichkeiten soziologischen Lebens schenken wird. Aber was uns treibt, ist vor allem andern, dem jüdischen Volk, uns selbst zu dienen. Wir können in unserer jetzigen Lage nicht weiterleben. Wir haben alle denkbaren Versuche gemacht, um diese Lage erträglich zu gestalten. Wir sind jedem Irrlicht nachgelaufen: die Erziehung der Juden werde die Judenfrage lösen, die Erziehung der Nichtjuden werde die Judenfrage lösen, neue politische Theorien würden die Judenfrage lösen. Alles schlug fehl. Wir stürzten tiefer und tiefer, von Geschlecht zu Geschlecht, unsere politische, wirtschaftliche und geistige Lage im 20. Jahrhundert ist schlimmer als im 19. Jahrhundert. Große Teile der Judenheit leben unter Bedingungen, die mit nichts in unserer Geschichte seit vielen Generationen verglichen werden können. Unheil trifft uns, wofür wir Parallelen nur im mittelalterlichen Spanien und in der Zerstörung Jerusalems durch die Römer finden können. Palästina ist unsere einzige Zuflucht. Wir verlangen von Dir, Kulturmenschheit: Hilf uns, mache es möglich, unser nationales Leben in unserem Nationalen Heim wieder aufzubauen. Alles Gute, was Du von uns erwartest, wird kommen, wenn wir Juden in unserer großen Menge uns wieder aufrichten, uns in Palästina wieder konzentrieren können, als eine Nation, die auf ihrem eigenen Boden lebt, ihr eigenes großes Schicksal nach ihrer eigenen Weisheit entscheidet — denn wir Juden gehören zu den physisch und geistig gesündesten, zu den ethisch reinsten Völkern. Wir werden Euch Kultur und Propheten schenken, wenn ihr uns nationale Wiedergeburt im Lande unserer Ahnen gewährt (Stürmischer, langandauernder Beifall). Schluß der Sitzung 12 Uhr 30 Min.