Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 49)
- Language
- German, English, Hebrew
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Heller, Katznelson 49 GEDENKREDE FÜR ARLOSOROFF. BERL KATZENELSON (Arb., Erez Israel — spricht hebräisch): Es ist der erste Kongreß nach dem Weltkriege, an dem der Name Chaim Arlosöroffs ertönt, er selbst aber nicht in unserer Mitte ist. Im Laufe weniger Jahre ist dieser junge Mensch zu einer der hervorragendsten Persönlichkeiten in der zionistischen Bewegung geworden. Vor zwei Jahren hat ihm die zionistische Bewegung eine der schwersten und hervorragendsten Aufgaben übertragen. Er hätte hier erscheinen und einen Bericht über seine Tätigkeit erstatten sollen. Er hat aber seine Zeit nicht abgeschlossen. Nur 22 Monate hat er in der obersten Mission der zionistischen Bewegung gewirkt. Es scheint mir, daß seit Bestehen der Zionistischen Organisation nie einem so jungen Mann wie Arlosoroff die Aufgabe der nationalen Führerschaft übergeben wurde. Es wurde uns auch noch nie ein Führer so jung entrissen. Wer nicht die Arlosoroff-Trauer in Erez Israel miterlebt hat, weiß nicht, was nationale Trauer bedeutet. Die Kugel, die sein Herz durchbohrte, hat auch Fernstehenden die Augen geöffnet, um zu sehen, was Arlosoroff für uns bedeutet hat. Die große Volkstrauer, die das gesamte Volk umfaßte, hat mehr besagt, als man in Reden sagen kann. Dieser Moment nationaler Wachsamkeit gehört vielleicht zu den wenigen entscheidenden Momenten in unserer Geschichte, ein Moment, der vielleicht als historisches Datum, vielleicht als trauriges Datum, aber als historisch entscheidendes Datum gelten wird. In solchen Momenten fühlt man die lebendigen Kräfte des Volkes. Wir haben lange nicht mehr so gefühlt, daß das jüdische Volk lebt, wie wir es in den Tagen des Schmerzes und der Trauer über den Verlust Arlosöroffs empfunden haben. Es wird noch viel über Arlosoroff erzählt und gesprochen werden. Sein Lebenslauf wird sich uns noch offenbaren. Ich will jetzt nur einige Worte darüber sagen, was Chaim Arlosoroff für die zionistische Bewegung bedeutet hat. Aus welchem Material war dieser Mensch geschaffen? Bei uns wird wenig über die junge Generation erzählt, die in der letzten Periode eine große Mission im Zionismus erfüllt hat. Es ist nicht üblich, bei ihren Lebzeiten ihre Biographie zu schreiben, und man forscht nicht nach ihrer Genealogie. Ich möchte aber erzählen, daß Chaim Arlosoroff aus einer sehr bedeutenden Familie stammte. Vor einigen Generationen war in der Ukraine und außerhalb derselben der Rabbiner aus Romny, Rabbi Leizer Arlosoroff, durch seinen klaren Sinn, scharfen Geist und durch seine großen Kenntnisse im Talmud bekannt. Die zweite Generation beschritt schon andere Wege und hat ihre Kräfte auf alle Gebiete zerstreut. In der dritten Generation ist die jüdische Tradition in erneuerter Form auf dem Wege über das arbeitende Erez Israel, über einige Nummern des „Hapoel Hazair" wieder erschienen. Durch die bescheidene und ergebene Arbeit eines jungen hebräischen Lehrers, der aus Erez Israel nach Deutschland gekommen war, hat sich in Chaim Arlosoroff der jüdische Funke offenbart, der sich bei ihm von Anfang an mit der