Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 575 (sequence 578)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476288--8383-3484532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fischmann, Sokolow, Adler, Brodie 575 Eine Föderation landsmannsohaftlicher Organisationen würde selbstverständlich erfordern, daß die Judenschaften der einzelnen Länder bereits organisiert sind. Dies ist leider nicht überall der Fall. Einen Fall landsmannschaftlicher Organisation, der gerade erst in letzter Zeit Wirklichkeit geworden ist, möchte ich hier besonders erwähnen, es ist die Organisierung der Juden Italiens. Das italienische Judentum ist eines der ältesten Europas, reich an intellektuellen Kräften, in welchem bereits zu einer Zeit, da unser jüdischer Renaissanceprozeß noch nicht begonnen hatte, die Schule Samuel David Luzzattos blühte, in welcher schon hebräisch gesprochen wurde. Dieses Judentum Italiens ist nun in eine neue Epoche getreten, indem es aus dem chaotischen Zustand in eine kollektive jüdische Einheit sich verwandelt; auf demokratischer und jüdischer Basis; demokratisch, denn die Vereinigung ist auf der Basis des allgemeinen Wahlrechtes geschehen, und jüdisch, denn es ist die alte jüdische Gemeindeordnung in moderner Form wieder eingeführt worden. Dieser Akt ist in Italien mit großer Freude gefeiert worden. Ich glaube, daß auch die Jewish Agency diesen Akt begrüßen wird, umsomehr, als ich von diesem großen, nunmehr einheitlich organisierten Judentum Italiens beauftragt worden bin, der Jewish Agency Glückwünsche darzubringen und die Bereitwilligkeit der organisierten Judenschaft Italiens, an unserem Werke teilzunehmen, zu erklären. Ich habe diesen Auftrag in einem Briefe meines verehrten Freundes, Herrn Professor Rocca, erhalten, den ich hier nicht zu verlesen brauche, da er veröffentlicht werden wird; ich will daran nur noch den Wunsch knüpfen: möge ein solcher Akt einmal, früher oder später, die Judenschaft der ganzen Welt für den Wiederaufbau von Erez Israel vereinigen (Lebhafter Beifall). ISRAEL COHEN (Sekr. d. Präs.) verliest ein Begrüßungstelegramm vom Verband der jüdischen Gemeinden in Griechenland. VORS. Dr. CYRUS ADLER: Wir nehmen diese Begrüßung mit Dank und Freude zur Kenntnis. Ich möchte diese Gelegenheit benützen, um hier den Vertreter der jüdischen Gemeinde Saloniki, Herrn Recanati, besonders herzlich zu begrüßen, als Sprossen der großen jüdischen Familie, die schon aus dem 14. Jahrhundert berühmt ist, und als Vertreter einer der ehrwürdigsten Gemeinden. ISRAEL B. BRODIE (Sachverständiger, Delegierter des XVII. Zionistenkongresses — spricht englisch): Wenn eine Plattform gesucht wird, auf der wirklich die Juden der ganzen Welt sich zum Palästinaaufbau vereinigen, so dürfen wir uns nicht Diskussionen über die Ideologie und Philosophie der Palästinabewegung hingeben, sondern müssen realistisch denken. Es gibt eine solche Plattform, das ist die wirtschaftliche. Wir müssen uns gemeinsam bemühen, die Absorptionsfähigkeit von Palästina rasch zu erhöhen. Das Instrument dafür ist die Entwicklung der Industrie. Ich habe eine kleine Broschüre über diesen Gegenstand veröffentlicht, die Ihnen jetzt verteilt wird und deren Grundzüge ich auch auf dem Kongreß bereits vorgetragen habe (Siehe Seite 336 und folgende). Ich möchte hier nur noch einmal unterstreichen, daß die Entwicklungsmöglichkeiten außerordentlich groß sind. In den letzten zehn Jahren ist fast ohne Förderung durch die nationalen Fonds und ohne Unterstützung der Regierung eine Industrie aufgebaut worden, die über 30.000 Menschen Lebensmöglichkeiten gibt. Wenn wir verstehen, den