Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 560 (sequence 563)
- Language
- German, English, Hebrew
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560 j. Council-Sitzung: Generaldebatte Das Weißbuch von 1930 rief nicht allein Entrüstung seitens der Juden, sondern auch Verurteilung seitens englischer Bürger, der namhaftesten Juristen, Parlamentarier, Führer aller Parteien hervor. Die englische Regierung behauptete wiederholt, daß ein Mißverständnis bestehe, daß es nicht beabsichtigt war, den Sinn der Balfour-Deklaration und des Mandates anzutasten. Erinnern wir uns der Einstellung des Regierungskomitees, das mit unseren Vertrauensmännern, mit Weizmann an der Spitze, verhandelte und zu dem berühmten Briefe MacDonalds an Weizmann führte, einem Dokument, das die Grundlage einer weiteren Kooperation mit der englischen Regierung bilden kann. Es ist ein großer Erfolg Weizmanns. Es wurde Weizmann der Vorwurf gemacht, er sei dem Programm Herzls untreu geworden. Herzl war ein Dichter, ein Idealist, ein neuer Moses, der seinem gemarterten Volke ein neues Land verkündete. Weizmann ist ein Staatsmann, ein Realpolitiker, der mit allen Schwierigkeiten der Situation seitens der Engländer, Araber und seines eigenen Volkes rechnet, alle Imponderabilien erwägt. Die Stellung Weizmanns während der Verhandlungen war keine leichte, er hatte keinen einzigen Soldaten, kein einziges Schiff, nicht einmal Geld, sondern nur ein Defizit im Budget der Jewish Agency, er hatte nichts als das Recht der Juden, einen Platz an der Sonne zu erhalten. Weizmann besitzt im Herzen ein Ideal, er hält sich aber an den weisen Ausspruch Gambettas bezüglich Elsaß-Lothringens: „Ii y a des choses dont il ne faut jamais parier, mais toujours y penser." Wir aber verfahren anders: wir posaunen den Ankauf jedes Dunams, jeden auch noch so geringen Erfolg in der ganzen Welt aus und erregen dadurch Argwohn und Neid der Araber. Gegen den Willen Englands werden wir das jüdische Nationalheim in Palästina nicht aufbauen können, sondern nur mit seiner Sympathie und Mitwirkung. Die in diesem Sinne proenglische Politik Weizmanns ist die allein richtige. Er glaubte, seine Resignaton als Präsident geben zu müssen. Wir bedauern auch den Rücktritt von Felix Warburg, von Kisch und den partiellen von Wassermann. Aber jede andere Politik als die Weizmanns ist ein Fehler, namentlich jener Partei, die gegen England zugespitzt ist und durch eine Propaganda die Weltstimmung gegen England aufbringen will. England achtet die öffentliche Meinung, rechnet mit dem Völkerbund, achtet aber besonders die Meinung seines eigenen Landes und sein eigenes Wort, das es halten wird (Beifall). Während der Rede Dr. Goldflams betritt Dr. Weizmann, lebhaft begrüßt, den Saal. FELIX ROSENBLÜTH schlägt die Wahl von vier Kommissionen vor, und zwar einer Politischen Kommission, einer Kommission für Finanzen und Budget, einer Organisationskommission und eines Nominationsausschusses. Die Kommissionen sollen folgende Zusammensetzung haben: I POLITISCHE KOMMISSION: Nichtzionisten: Dr. Cyrus Adler (Amerika), G. Aisenstadt (Estland), Prof. Riccardo Bachi (Italien), Dr. S. Daiches (England), Dr. W. Fildermann (Rumänien), Dr. Lee K. Frankel (Amerika), Dr. S. Goldflam (Polen), O. E. d'Avigdor Goldsmid (England), Dr. Josef Parnass (Ostgalizien), Dr. Moritz Schnabl (Österreich), Prof. Dr. Sobernheim (Deutschland), Prof. Herbert Speyer (Belgien), Judge Horace Stern (Amerika), Dr. Jakob Thon (Erez Israel), Rabbiner Dr. Isak Unna (Deutschland). Zionisten: Dr. Chaim Arlosoroff, B. Locker,