Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 555 (sequence 558)
- Language
- German, English, Hebrew
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Daiches, Zuchowitzky 555 Wir hatten heute vormittag das Vergnügen, den sachlichen und gleichzeitig von Gefühl durchdrungenen Vortrag Dr. Ruppins zu hören. Eine Bemerkung hat auf mich besonderen Eindruck gemacht, und ich weiß nicht, ob Sie sie genügend beachtet haben: der Aufschwung Palästinas geschieht unter der Leitung Englands. Mit anderen Worten, Dr. Ruppin hat gezeigt, wieviel die Tatsache, daß England die Mandatarmacht Palästinas ist, dazu beigetragen hat, Palästina zu entwickeln und zu modernisieren. Wenn wir ehrlich kritisieren, müssen wir auch ehrlich loben. Gutes muß anerkannt, Schlechtes verurteilt werden. Aber nur das Schlechte verurteilen und das Gute außeracht lassen, ist nicht nur falsch, sondern zeigt auch Mangel an politischem Verständnis. Unser verehrter Herr Präsident entwarf gestern abend ein klares Programm. Aber in seiner Rede kam ein Satz vor, den er nicht hätte äußern sollen. Er sagte nämlich: „Ich glaube, wenn die mohammedanische Welt diese Stätte heute wieder dem jüdischen Volke anbieten würde, damit es den Tempel wieder erbaut und den Opferdienst erneuert, so würde das jüdische Volk dieses Anerbieten nicht akzeptieren." Ich will hier nicht auf die Kontroverse eingehen, aber das durfte nicht gesagt werden. Es kann sein, daß, wenn die ganze mohammedanische Welt uns dieses Anerbieten gemacht hätte, das jüdische Volk es vielleicht doch angenommen hätte. Der Jewish Agency steht eine große Zukunft bevor, und ich hoffe, daß es ihr gelingen wird, das Land unserer Väter aufzubauen und das Schicksal unseres Volkes zu verbessern (Beifall). SCH. ZUCHOWITZKY (Erez Israel — spricht jüdisch): Ich will nicht über die politischen Fragen sprechen. Ich glaube, daß das Wichtigste für uns die wirtschaftlichen Fragen sind. Ich habe hier zwei Referate gehört, das eine von Dr. Ruppin und das andere von Dr. Senator. Die Ausführungen beider Redner waren optimistisch gefärbt; beide fanden, wenn wir betrachteten, was wir in den letzten zehn Jahren geleistet haben, und wenn wir annehmen, daß wir in den nächsten zehn Jahren Ähnliches würden leisten können, könnten wir zuversichtlich sein. Dies wäre ganz richtig, wenn alles so ginge wie zuvor. Das ist aber nicht der Fall. Es wird immer schlechter. In diesem Jahre ist es schlimmer als im Vorjahre trotz der Unruhen. Die Lage ist gegenwärtig sehr ungünstig. Man kann bei jedem Betriebe Rechnungen für die Zukunft auf Grund der Erfahrungen aus der Vergangenheit nur dann machen, wenn der Betrieb weiter normal ohne jeden Defekt funktioniert. Wenn er aber nicht normal funktioniert, muß man die Fehler suchen und sie zu verbessern trachten. Es gibt zwar Fehler, die wir in den ersten zehn Jahren begangen haben, und aus denen wir für die Zukunft lernen werden, um die Sache besser zu machen. Es gibt aber Fehler, aus denen man noch nichts gelernt hat. Man soll zwar Optimismus hegen, man kann aber nicht, wenn man davon ausgeht, wie es Dr. Senator in seinem Referat getan hat, gleichzeitig erklären, daß wir in den nächsten zwei Jahren nichts werden bauen und schaffen können, sondern nur das Bestehende erhalten müssen. Dies beides kann nicht in Einklang gebracht werden. Wenn weiter das Tempo der letzten Zeit eingehalten wird, so werden wir auch das Bestehende nicht erhalten können. Viele Kolonien werden in ihrer Entwicklung gefährdet werden und vielleicht ganz zugrunde gehen. Bei dem Erziehungsbudget, das ak-