Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 393)
- Language
- German, English, Hebrew
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390 iy. Kongreß-Sitzung: Bericht der Politischen Kommission bar fest. Aber dieses Ziel kann nicht im Streit um Worte, sondern nur in der Anspannung aller Energien des Zionismus für die Durchsetzung seines Werkes in der Wirklichkeit erreicht werden. Jede Ablenkung der Bewegung von diesem einzigen Weg zur jüdischen Freiheit ist gefährlich, unfruchtbar und politisch sinnlos. Wir haben deshalb in allen diesen Tagen, wo um die Endzielformel gestritten worden ist, den Standpunkt vertreten, daß für uns die Notwendigkeit einer Festsetzung einer solchen Formel erst entsteht, wenn wir den letzten Versuch gemacht haben, den Kongreß vor dieser schädlichen und sinnlosen Handlung zu warnen. Wir fordern den Kongreß daher auf, diese Entscheidung jetzt zu fällen, und beantragen, über sämtliche Endzielformeln zur Tagesordnung überzugehen (Beifall). BERICHTERSTATTER Dr. GOLDMANN: Bevor ich mich gegen Dr. Arlosoroff ausspreche, möchte ich Ihnen eine Mitteilung machen, die einiger Pikanterie nicht entbehrt. Der Antrag, den ich Ihnen im Namen der Kommission vorzulegen hatte, wurde vor einigen Stunden formuliert von Dr. Arlosoroff und mir! (Lärm und Lachen, Zwischenrufe.) Ich will natürlich gleich hinzufügen, daß Herr Dr. Arlosoroff stets den Standpunkt vertreten hat, daß es das Richtigste wäre, überhaupt keine Zielresolutionen zu fassen (Zwischenruf: Ist das fair? Damit hätten Sie beginnen müssen!). Ich habe nicht deswegen damit begonnen, um Dr. Arlosoroff hier lächerlich zu machen, sondern als Argument gegen die Warnung Dr. Arlosoroffs vor der Gefährlichkeit dieser Resolution. Ein Vorschlag, den er selbst formuliert hat, kann nicht so gefährlich sein, wie er das jetzt darstellt. Ich gehöre selbst zu denjenigen, die der Ansicht sind, daß es besser wäre, bei einer normalen und ruhigen Situation der Bewegung keine Zielsetzungs-Resolution zu beschließen. Aber wie man mit außenpolitischen Situationen rechnet, muß man auch mit der Realität rechnen, die zionistische Bewegung heißt. Wenn wir seit zwei Jahren über die Zielsetzung diskutieren und hier noch eine tagelange Debatte darüber gehabt haben, so liegt eine Situation in der Bewegung vor, die eben eine solche Formulierung verlangt. Und das ist eine Realität, mit der ein Politiker mindestens ebenso rechnen muß wie mit der Stimmung eines Unterstaatssekretärs in London oder eines Politikers in Genf. Und weiter: Hier liegt eine Resolution vor, die ganz harmlos ist — ich sage das in aller Offenheit —, die aber einen bestimmten Sinn hat. Zwingen Sie mich nicht zu sagen, warum eine weniger harmlose Resolution in diesem Stadium nicht möglich war. Und was sie erreicht, das ist eine entschiedene Zurückweisung dessen, was wir die liquidatorischen Tendenzen im Zionismus nennen (JABOTINSKY: Sehr richtig!). Nachdem wir jahrelang eine Debatte hatten, in der "versucht wurde, aus dem Zionismus irgend etwas zu machen, was nichts mehr mit der Lösung der Judenfrage zu tun hat, darf die Bewegung verlangen, daß der Kongreß eine autoritative Antwort gibt; daher sagen auch wir, die wir eine schärfere Formulierung gewünscht hätten: es ist wenigstens etwas erreicht durch die Zurückweisung aller Entstellungen und Verkleinerungen des Zionismus. Diese Resolution ist wenigstens ein Anfang zur Besserung. Lassen Sie sich nicht abschrekken durch Gefahren, die an die Wand gemalt werden. Stimmen Sie für diese Resolution, vor allem aber gegen den Übergang zur Tagesordnung. In einer solchen Form kann man eine Diskussion von zwei Jahren nicht beendigen.