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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 323

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 323 (sequence 326)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476288--8131-3484280
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Weizmann 323 und die Vorteile der Flut auszunützen. Bei mir ist immer Flut, aber ich kann nicht dafür, daß es in der Welt auch Ebbe gibt. Ich habe wiederholt meiner tiefen Enttäuschung und Unzufriedenheit über die Haltung der Regierung in England und noch mehr über die der Administration in Jerusalem Ausdruck gegeben. Keine Regierung, wie mächtig sie auch sein mag, kann es sich leisten, mit einem feierlich gegebenen Versprechen zu spielen, und je größer die Macht ist, desto weniger kann sie es sich leisten. Ich fürchte, daß die Regierung dadurch, daß sie die großen moralischen Kräfte, die in der zionistischen Bewegung liegen, nicht voll würdigt und dadurch, daß sie vergessen hat, daß in einer Zeit großer Not für sie die Gefühle eines leidenden Volkes sich Großbritannien zugewandt haben — ich fürchte, sage ich, daß die Regierung durch die Herabdrückung ihres Versprechens und durch die Bagatellisierung eines großen staatsmännischen Aktes die Sympathien eines alten Volkes aufs Spiel gesetzt hat, Sympathien, die sogar für die britische Regierung keine quantite ne- •gligeable sein sollten. Hoher Kongreß! Wir leben heute in einer schweren, von schweren Sorgen erfüllten Welt, die mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu ringen hat. Wir Juden .hatten stets darunter zu leiden, daß wir mißverstanden wurden. Der Zionismus und seine Realisierung in Palästina ist ein Versuch, dieses Mißverständnis zu beseitigen. Aber eine solche Erkenntnis kommt nur langsam und im Laufe der Zeit. Dieses Mißverstehen seitens der Welt ist eine der vielleicht größten Schwierigkeiten, denen wir auf unserem Wege begegnen, und es wäre naiv zu glauben, daß zehn Jahre Arbeit genügen, um solche Schwierigkeiten zu überwinden- Deswegen glaube ich, daß man auf abgekürzten Wegen, durch Kefizath Haderech, Palästina nicht erreichen kann. Ich glaube aber, daß wir unser Nationalheim erkaufen werden durch schwere, mühselige Arbeit und tiefes Leiden, und daß es die Aufgabe und das Glück unserer Generation ist, in einer historisch bedeutungsvollen Übergangszeit zu leben, und wir können nur hoffen, denen, die nach uns kommen wer- •den, den Weg zu ebnen, sodaß sie größere Taten vollbringen, als uns vergönnt ^war. Wir sind nur ein Ring in einer langen historischen Kette, deren Anfang in uralten Zeiten und deren Ende in einer uns noch unbekannten Zukunft liegt. Es ist unsere erhabene Aufgabe, diesen Ring so zu schmieden, daß er tragfähig und haltbar ist. Wir alle sind verbunden in dem starken Glauben an die zionistische Idee und ihre Verwirklichung. Aber der tiefe Glaube an eine Sache manifestiert sich nicht in einer heroischen Phrase oder dramatischen Geste, sondern in der Geduld, mit der man tagtägliche Schwierigkeiten erträgt, in dem Bewußtsein, daß durch alle Wechselfälle der Weg zum Ziele führen wird, wenn nur wir selbst fest bleiben und standhalten und nicht die Nerven verlieren. In diesem Geiste müssen wir unseren Weg unbeirrt weitergehen, auch angesichts schwerer Rückschläge, und ich bitte Sie — es ist die letzte Bitte, die ich an den Kongreß richte — der neuen Leitung, die Sie jetzt wählen und der Sie die Führung der Geschäfte übertragen werden, diesen Weg nicht allzu schwTer zu machen (Stürmischer Beifall). VORS. VIZEPRÄS. Dr. MARGULIES: Die Generaldebatte ist geschlossen. 'Gemäß Paragraph 26a der Statuten gilt hiermit, da ein anderweitiger Antrag nicht eingebracht ist, die Decharge als erteilt. 21 *

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