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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 195

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 195 (sequence 198)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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195 Siebente Kongreß-Sitzung. Freitag, 3. Juli 1931, vormittags. Beginn der Sitzung 10 Uhr 35 Min. Vorsitz: Präsident Motzkin- HESCHEL FARBSTEIN (Mist., Polen — spricht jüdisch): Als wir die Rede Dr. Weizmanns hörten, in der er uns — ich hoffe, zum letzten Mal — endgültig versprochen hat zurückzutreten, meinten wir, daß es nicht mehr nötig sei, über alte Sünden zu sprechen, und daß wir uns in guter Stimmung von unserem Präsidenten verabschieden werden, dem großen Doktor Weizmann, der uns zusammen mit Sokolow die Balfour-Deklaration gebracht hat und einst stolz vor aller Welt erklärt hat, Palästina werde so jüdisch sein, wie England englisch. Aber Dr. Weizmann hat — ich weiß nicht, zu welchem Zweck — an alte Wunden und traurige Erinnerungen gerührt. In der Berliner A.C.-Sitzung vom August 1930 hat Weizmann seine früheren Hoffnungen auf eine Mehrheit in Palästina verneint und begonnen, von einem binationalen Staat in Erez Israel zu sprechen. Wir kennen Weizmann seit •dem zweiten Kongreß, und niemand kann von ihm sagen, daß er nicht einer der besten Zionisten wäre. Daher ist in seinem Munde eine Äußerung, welche alle Hoffnungen des jüdischen Volkes vernichtet, paradox. Die ganze Grundlage des Zionismus war, wenn schon nicht der Judenstaat von Herzl, so doch die feste Meinung, daß die Juden sich im Galuth nicht ausleben können, weil sie eine Minderheit sind, und daß sie daher dorthin gehen müssen, wo sie eine Mehrheit bilden können. Und jetzt suchen wir eine neue Minderheit, und gerade in Palästina! Wir waren überzeugt, daß Weizmanns Worte in Berlin ein Verzweiflungsschrei seien, ein herzzerreißender Ruf im Augenblick höchster Not, da er zu der Ansicht gekommen war: Die Arbeit geht nicht, ich kann sie nicht führen. Zwar kann man auch das nicht völlig rechtfertigen, denn wenn jemand zur Überzeugung kommt, daß er sein Ideal nicht durchführen kann, dann gibt es nur einen Weg: zu demissionieren und andere die Arbeit übernehmen zu lassen, die an das Ideal glauben. Aber selbst nicht an das Ideal zu glauben, jedoch der Führer derer zu bleiben, die an das Ideal glauben, geht nicht an. Der Misrachi hat nach der Berliner Erklärung des Präsidenten Weizmann seine Vertreter aus der Exekutive sofort zurückgezogen und erklärt, daß er mit einer Exekutive, deren Richtlinien mit dem Geiste des Zionismus nicht übereinstimmen, nicht zusammenarbeiten könne. Infolge gewisser Verhältnisse waren die Vertreter des Misrachi jedoch gezwungen, noch weiter in der Exekutive zu bleiben, und sind erst später ausgetreten. Nun aber haben wir uns überzeugt, daß die Erklärung Weizmanns in Berlin nicht ein Verzweiflungsschrei war, sondern eine neue Theorie, nämlich Zionismus ohne Zion. In seiner letzten Rede, die er als Abschiedsrede bezeichnet, hat Dr. Weizmann uns ein Erbe überantworten wollen, das Erbe einer bankrotten Idee. Dieses Erbe aber müssen wir zurück- 13*

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