Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1931-01-01 · 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931 · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 132 (sequence 135)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3476254-3476288--7940-3484089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j. Kongreß-Sitzung: Referat über Finanzierung des Palästinaaufbaus mals durch private Investition allein geschaffen worden wären und für die die aktive nationale Initiative, sowohl in der Rolle des Schrittmachers wie auch in der Kapitalbeteiligung, unumgänglich notwendig ist. Das gilt nicht nur für die gemischte Landwirtschaft, die um die Milchwirtschaft rotiert und heute in der Versorgung der Städte: mit jüdischen Milchprodukten, Gemüsen, Tafelfrüchten etc. eines der wertvollsten, kolonisatorischen Aktiven bildet, sondern auch für verschiedene neue Pflanzungen (z. B. die Bananenkultur), aber auch für viele industrielle Unternehmungen. 4. Es kommt hinzu, daß sich praktisch erwiesen hat, daß auch bei unabhängigen- oder halböffentlichen Korporationen oder Instituten die nationale Kontrolle in dem Augenblick zwangsläufig ist, wo ihre Geschäftslage kritisch wird. Das allgemeine wirtschaftliche oder ein spezielles kolonisatorisches Interesse zwingt die nationalen Institute dann zu intervenieren, um unsere Positionen vor größeren Risiken zu bewahren. Es genügt, an die beiden Beispiele der Zion Commonwealth und Haifa Bay Companyzu erinnern. Die nationalen Institute sind dann nicht nur gezwungen, schwere Lasten finanzieller Verantwortung zu übernehmen, deren Entstehungsursachen außerhalb ihrer Kontrolle sich befunden haben, sondern sie tragen sogar in der öffentlichen Meinung, das Odium für Geschäftspraktiken (Afule, die Zentralstadt des Emek, die Kuschane des Meschek), an denen sie unschuldig sind wie die klageführenden Leidtragenden selbst. 5. Die Erfahrung lehrt ferner, daß auf der anderen Seite diejenigen unserer Finanzinstitute, die auch formell unter der theoretisch vorgeschriebenen nationalen Kontrolle gestanden haben und stehen, keine der gefürchteten negativen Wirkungen (politische Einflüsse auf die Geschäftsleitung), dagegen in kritischen Tagen außerordentlich praktische Wohltaten der nationalen Kontrolle aufweisen können. Sowohl die P.L.D.C., die Zion Commonwealth wie auch die Anglo Palestine Company werden das nur bestätigen können. 6. Dazu kommt, daß die wirtschaftliche Selbstentäußerung, die für unsere zentralen, nationalen Instanzen hier gepredigt wird, dazu führt, daß trotz relativ großen öffentlichen Investitionen, die der privaten "Wirtschaft zugute kommen, die nationalen Instanzen auf diesem Wege dazu verurteilt sind, stets mittellos und ohne eigene Aktiva, zu bleiben. Diese Methode verhindert die Schaffung einer großen öffentlichen Kreditbasis. Wie die große Rothschildsche (also öffentliche) Investition in den alten Kolonien spurlos in den Taschen der privaten Kolonisation verschwunden ist, die heute mit Hohn die Forderung, ihre Wirtschaft als öffentliche Kreditbasis zu betrachten, zurückweisen können, so wird es immer sein. Moderne öffentliche Wirtschaft behält ihre Aktiven in der öffentlichen Hand und wird so zu einer Wirtschaftsmacht, die effektiv dem allgemeinen Interesse dienstbar gemacht werden kann. 7. Wir dürfen endlich nicht vergessen, daß wir im Bereich der privaten Wirtschaft in Palästina fortwährend dem verhängnisvollen Druck der billigen, nichtjüdischen Arbeit ausgesetzt sind. Wir dürfen nicht vergessen, daß, je stärker die Privatwirtschaft sich ausdehnt, je höher das palästinensische Wirtschaftsniveau, Löhne, Lebenshaltung: etc. ansteigt, desto stärker die Anziehungskraft Palästinas für Massen billiger und primitiver Arbeiter aus den Nachbarländern wird, der ökonomische Konflikt zwischen der europäisch-jüdischen und der nichtjüdischen Arbeit sich immer wieder zuspitzt. Der tragische Schatten dieses Problems lauert auf uns auf Schritt und Tritt. Auch mit effektiven nationalen Regulatoren ist es nicht leicht, seiner Herr zu werden. Private Wirtschaft, sich selbst überlassen und nach eigenem Gutdünken schaltend und waltend, muß — besonders in jedem kritischen Augenblick — die Gefahr des Zusammenbruches der jüdischen Arbeitspositionen von neuem heraufbeschwören. In der Wirklichkeit unserer palästinensischen Arbeit sehen die Dinge also wesentlich anders aus als in den theoretischen Vorstellungen des ökonomischen Programms, das uns unsere amerikanischen Freunde jetzt vorgelegt haben. (Ich will noch einmal betonen, daß die Form der Kontrolle durchaus nicht administrativ-departemental zu sein braucht. Sie kann durchaus durch die Ubergabe der Foundershares an eine spezielle Holding-company geschehen oder — im Falle kleinerer Institute — durch die Gründung von Tochtergesellschaften bestehender Institute — wie z. B. im gegenwärtigen Augenblick die Hy-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.