Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 17 (1931) Basel, 30. Juni bis 17. Juli 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 99)
- Language
- German, English, Hebrew
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96 Vierte Kongreß-Sitzung. Mittwoch, i. Juli 1931, abends. Beginn der Sitzung 21 Uhr 20 Min. Vorsitz: Präsident Motzkin. REFERAT ÜBER LEISTUNGEN UND AUFGABEN DES KEREN HAJESSOD. Dr. ARTUR HANTKE (Geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod — spricht deutsch): Sie haben eine Reihe von Referaten gehört, die sich mit Palästina und der Politik für Palästina beschäftigten. Ich muß Sie bitten, Ihre Aufmerksamkeit auf das Leben der zionistischen Welt außerhalb Palästinas zu richten, und in noch viel stärkerem Maße, als es schon mein Vorredner, Herr Ussischkin, getan hat, muß ich ausschließlich von Dingen in der Diaspora sprechen. Denn, wie Sie wissen, ist der Keren Hajessod so organisiert, daß im Gegensatz zum Keren Kajemeth die Verwendung des Geldes getrennt ist von der Aufgabe des Sammelfonds. Es gibt noch einen anderen Unterschied zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod: Der Keren Kajemeth ist schon mit uns, mit der älteren Generation groß geworden. Seine Geschichte erstreckt sich schon über Jahrzehnte, und die Frage der Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Keren Kajemeth wird schon lange nicht mehr gestellt. Der Keren Hajessod aber ist noch ein junger Fonds, und noch immer wird diese Frage in der Öffentlichkeit erhoben. Ich kann mich kurz fassen, denn ich spreche vor einem Publikum von Sachverständigen, und Dr. Weizmann hat bereits heute vormittag über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des Keren Hajessod einiges gesagt. Ich stelle nur fest, daß der Keren Hajessod eine der Formen ist, in denen sich der Einheitswille des jüdischen Volkes manifestiert. Er ist ein Symbol des Willens zur Wiederherstellung des nationalen Heims in Palästina, und mit der Forderung der jährlichen Steuer, gestaffelt nach dem Einkommen, erhebt der Keren Hajessod die Sammlung als solche in die Sphäre des staatlichen Lebens. Er macht den Juden der Diaspora zum Steuerträger von Palästina, zum ideellen Bürger des entstehenden jüdischen nationalen Heims. So konnte der Keren Hajessod als erster wieder an die älteste Institution der jüdischen Diaspora anknüpfen, an die Tempelsteuer. Diese Tempelsteuer war eine Institution aus einer Zeit, in der die jüdische Diaspora so stark und kräftig war wie nie in späteren Zeiten. Damals bestand noch das nationale Heim, und die Diaspora rankte sich empor und stützte sich auf dieses Zentrum. Auch diese Tempelsteuer war ein Symbol des nationalen "Willens zum Zentrum in Palästina und zu der Stätte, an welcher der Jude die kulturellen Schöpfungen seines Volkes lokalisiert sah. Es ist ein Zeichen für die Wiedererstarkung unseres Volkes, daß wir im Keren Hajessod, wenn auch in veränderter Form