Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 591 (sequence 729)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7741-3483889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Weizmann 59! Eigentumsverhältnisse in Palästina so kompliziert sind, dass die Regierung sich keine Rechenschaft über die freien Ländereien geben kann, bevor eine Katastrierung des Landes vorgenommen worden ist. Es wird aber schon vorhergesagt, dass wirklich gutes Land kaum wird zur Verfügung gestellt werden können, weil in einem Lande, welches seit Tausenden von Jahren besiedelt ist, sich naturgemäss das gute Land bereits im Privatbesitz befindet. Ich will mich nicht darauf einlassen, ob dies richtig ist oder nicht, aber jedenfalls ist es eine Tatsache, dass wir bis heute kerne Ländereien von der Regierung zur Verfügung erhalten haben und dass wir das Land zu hohen Preisen kaufen müssen. Es muss daher die Forderung formuliert werden, dass die Katastrierung der Ländereien beschleunigt werde, so dass man endlich eine Gewissheit darüber hat, ob uns Boden zur Verfügung gestellt werden kann. Ein Gebiet, welches sich zur Kolonisation eignen würde, ein für palästinensische Verhältnisse grosses Gebiet, sind die Beisan-Ländereien, und diese wurden von Sir Herbert Samuel, dem ersten High Commissioner, den Arabern zur Verfügung gestellt. Sie sind bis heute von den Arabern kaum bearbeitet worden, und wir haben daher darauf gedrängt, dass ein Vertrag mit den Arabern geschlossen werde, um die Ländereien nutzbar zu machen und einen Teil davon, ohne Schaden für die arabische Bevölkerung, für die jüdische Kolonisation zur Verfügung zu erhalten. Das wäre also eine zweite ernste Forderung: Eröffnung eines Teiles der Beisan-Ländereien für jüdische Kolonisation nach Vereinbarung mit den arabischen Besitzern. Aber es ist für jeden Kenner der arabischen Verhältnisse ganz klar, dass man, wenn man an eine grosszügige Kolonisation denkt, Ländereien wird erwerben müssen und dass man darauf achtgeben muss, dass hierbei die Preise des Landes nicht bis in den Himmel wachsen. Zu den andern Forderungen, welche die Joint Palestine Survey Commission formuliert hat, gehört ein gerechtes Ausmass des Beitrages der Regierung zum jüdischen Erziehungswesen. Sie wissen alle, dass die Zionistische Organisation bis heute die grosse Summe von ungefähr 100 000 Pfund jährlich für das Erziehungswesen verausgabt hat. In letzter Zeit trägt die Regierung einen Teil dieses Budgets, aber durchaus nicht in genügender Weise. Genau so ruht das Gesundheitswesen auf den Schultern der jüdischen Gemeinschaft, und die Regierung hat bisher nur indirekt dazu beigetragen. Auch in dieser Hinsicht ist die Survey Commission der Meinung, dass das Gesundheitswesens eine Aufgabe der Regierung ist und nicht Aufgabe einer Gesellschaft, welche keinen Regierungsstatus hat. Eine Reihe anderer Forderungen bezieht sich auf das Zoll- und Tarifwesen und auf die Möglichkeiten der Stärkung der jüdischen Industrie. Ich will nur sagen, dass seit der Formulierung dieser Forderungen, also seit etwa einem Jahr, einige Fortschritte erzielt worden