Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 585 (sequence 723)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Wassermann, Warburg, Asch 585 viel beobachtet und zu viel kritisiert, und ich hoffe, dass, wenn unser Werk gelingt, im Council weniger Beobachter und mehr Arbeiter sein werden. Das ist das Geheimnis des Erfolges. Dass die Agency zustande kam, danken wir dem Takt und der Weisheit Dr. Weizmanns und Marshalls und der Männer hier auf der Plattform, die die schwere Arbeit der Verhandlungen führten. Nun ist der Tag gekommen, an dem die Agency ins Leben tritt. Ich empfinde das als ein Glück und als den schönsten Geburtstag, den ich jemals erlebt habe. Ich verspreche, alles zum Erfolg der Sache zu tun, damit Weizmann und Marshall, meine Adoptiveltern, zufrieden sind. Hoffentlich wird es aber nicht zu viele Nachtsitzungen geben. (Lebhafter Beifall.) Schalom Asch (Polen — spricht jüdisch): Es ist notwendig, hier heute vor allem einen Namen zu erwähnen, der uns fehlt, den Namen unseres nationalen Dichters Bialik. (Lebhafter Beifall.) In einer Stunde schwerer Not haben Sie, geehrter Herr Präsident, in eine über alle vier Winde verstreute Masse voll Verzweiflung gerufen: „Wo bist du, jüdisches Volk?" Die Versammlung, die heute tagt, sie hat, so glaube ich, die Antwort gegeben: Hier sind wir! (Beifall.) Auch alle die, zu denen der Ruf noch nicht gedrungen ist, auch sie sind hier. Doch nicht nur wir, das jüdische Volk der heutigen Generation, sind in diesem Saale versammelt, sondern auch das jüdische Volk aller Generationen. Das grosse Martyrium der jüdischen Geschichte weilt heute hier mit uns und ruft nach Lösung. Der neue Aufbau von Erez Israel wird wie ein Lichtstrahl auf unsere lange blutige Vergangenheit zurückgeworfen und er wird unseren Leiden einen Sinn geben. Unser uralter Trotz gegen eine ganze Welt wird nunmehr verstanden werden und seine Berechtigung erhalten. Unsere Tat wird unserer Märtyrer Tod noch einmal heiligen. Das Wunder der Vereinigung des ganzen jüdischen Volkes konnte nur durch die Kraft der alten Heimat Israels geschehen. Wir sind ein Volk, verbunden durch die Kette der Leiden. Erez Israel jedoch ist die erste Freude, die uns eint. (Beifall.) So seien denn die Hände gesegnet, welche diese Freude schufen, bedankt die Kräfte, die uns diesen Trost gebracht! Mir ist die Ehre zugefallen, in dieser historischen Versammlung Fürsprecher für den elendesten und ärmsten Teil des jüdischen Volkes zu sein — für die jüdische Armut in Polen. Für andere kann Erez Israel vielleicht geistigen Luxus bedeuten, für die Juden Polens ist es blutige Notwendigkeit. (Lebhafte Zustimmung.) Mit Hungeraugen blicken sie auf uns, die wir hier versammelt sind, in bebender Erwartung, dass wir ihnen ein Stück Boden unter den Füssen schaffen, mit pochendem Herzen hör-