Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 559 (sequence 697)
- Language
- German, English, Hebrew
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Motzkin 559 werden diese Vorwürfe aufhören. Vom ersten Kongress an standen unsere Kongresse im Zeichen der Ordnung. Das war eine Art Symbol der Herstellung unseres Staates, da zeigten wir unsere Schönheit, unsern Willen und unsern Enthusiasmus. Am Freitag aber hielten wir uns anders: die Verhältnisse taten es. Und da wardten wir uns an den Stadtpräsidenten, und er veranlasste, dass uns dieser Saal, obwohl er schon vergeben war, noch einmal für die heutige Sitzung gewährt wurde. (Lebhafter Beifall.) Dafür sei dem Stadtpräsidenten gedankt. Gestatten Sie mir weiter, unserm Kongressbureau zu danken, mit dem wir zu Anfang einige Konflikte hatten. Wer aber die schwere Arbeit, den Eifer in diesen Tagen gesehen, wer gemerkt hat, wie mächtig die Verhältnisse unsere Situation gar oft beeinflussten — denken Sie nur an die dreimalige Uebersiedlung —, der weiss es zu verstehen, dass diese Arbeit hoch einzuschätzen ist und dass den Herren Dr. Herrmann, Dr. Kahn und Dr. Ullmann Dank gebührt. Dann haben wir Dank abzustatten unserm ständigen Sekretär, der mit grossem Takt und Verständnis die Beziehungen zu erhalten gewusst hat, Herrn Dr. Gelber. (Beifall.) Es ist wohl jetzt nicht die Zeit, noch länger zu reden, aber auf eine Tatsache will ich hinweisen. Hier sitzt noch jetzt eine grosse Galerie. Ich habe sie oft angegriffen. Sie ist doch machtlos mir gegenüber, sie kann sich nur als geduldet fühlen. Freilich tut sie es nicht immer, aber sie kann ja nicht einmal protestieren. Und diese Galerie habe ich doch immer bewundert. So oft man sich umschaut, sie ist da. Eine solche Fülle von Energie ist sicher aus starker Teilnahme an unserer Sache geboren. Schliesslich ist ja diese Galerie Fleisch von unserm Fleische. Heute sind wir gewählt und Sie sitzen oben, das nächste Mal kann es umgekehrt sein. (Heiterkeit.) Ich hoffe, dass die Galerie mir gelegentliche rügende Bemerkungen verzeihen wird, ebenso wie alle Mitglieder des Kongresses und alle Fraktionen. Beruhigt hat mich dabei nur eines, dass ich Proteste von sechs Fraktionen über die schlechte Behandlung bekommen habe, die ich ihnen angedeihen Hess. Nun gestatten Sie mir, noch einer Klasse zu gedenken, an der ich selbst in gewissem Masse beteiligt bin, der Kategorie der Ordner. Ich wurde von ihnen stets über die Vorgänge in den Ausschüssen kurz und sachlich informiert. (Heiterkeit.) Sie wurden von uns angegriffen, weil sie ihre Pflicht nicht zu erfüllen schienen, sie wurden draussen angegriffen, weil sie ihre Pflicht erfüllten. Alles haben sie standhaft ertragen und ihre Pflicht getan. Unsere Ordner waren ein Symbol unserer zionistischen Stärke, darum danke ich ihnen und bitte sie, alle Unannehmlichkeiten zu vergessen und nur daran zu denken, dass sie an einem grossen Kongress teilgenommen haben. Denn dieser Kongress war ein grosser Kongress. Niemand kann sagen, dass dort, wo solche Kräfte walten, der Zionismus bedroht ist. Ein Zionismus, der so stark und lebendig ist, kann nicht vernichtet werden.