Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 480)
- Language
- German, English, Hebrew
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342 12. KONGRESS-SITZUNG: Referate über hebr. Kulturarbeit in der Diaspora H. Zlaiopolski (A. C. — spricht hebräisch): Auf zwei Grundlagen haben wir die hebräische Bewegung in den ersten Jahren errichtet. Eine Grundlage war, das jüdische Volk im gesamten Galuth durch die hebräische Sprache zu vereinigen. Ferner wollten wir dadurch dem jüdischen Kind unsere kulturellen Schätze zugänglich machen. Wir wissen, dass, wenn das jüdische Kind eine fremde Sprache gebraucht, es kaum ein hebräisches Buch verstehen kann und wir ihm nur wenig von unsern geistigen Schätzen beibringen können. Welche Mittel haben wir ergriffen? Erstens unsere alte historische Waffe, die Hartnäckigkeit. Wir haben immer 'wieder hebräisch gesprochen und uns bemüht, uns über die Hindernisse hinwegzusetzen und den leeren Saal nicht zu berücksichtigen. So wurde allmählich eine starke Bewegung geschaffen. Es ist eine linke Partei entstanden, die das Hebräische hervorgehoben hat, ebenso eine rechte Partei. Auch auf dem Kongress begann man allmählich die hebräische Sprache als unsere nationale Sprache zu betrachten. Man eroberte allmählich die Schulen und gelangte dazu, alle Lehrfächer hebräisch zu unterrichten. Allmählich haben wir aber diesen Weg verlassen und unsere Hartnäckigkeit aufgegeben. Sie konnten es doch bei diesem Kongress sehen. So hat der Misrachi-Redner nicht hebräisch gesprochen, auch die Palästinenser erlauben sich, eine andere Sprache zu gebrauchen (Beifall), was in den ersten Tagen der hebräischen Bewegung unmöglich war. Hier auf der Tribüne sitzt der eiserne Mann, der diesrnnl ebenfalls nicht hebräisch gesprochen hat. Wir lassen uns immer auf Kompromisse ein, und das schwächt uns. Die Kompromisse drängen sich auril in die Schule ein. Man denkt daran, eine zweisprachige Schule zu errichten. Man sagt — ich glaube es noch nicht —, dass der Misrachi sich dafür einsetzen will. Das würde aber alles zerstören, was wir erreicht haben. (Zwischenruf des Misrachi: Das stimmt nicht.) Ich habe auch gesagt, dass ich nicht daran glaube, aber es ist sehr möglich, weil wir uns überall auf Kompromisse einlassen. Es war hier davon die Rede, dass die Parole der Haskalah, dass man ein Mensch auf der Strasse sei und ein Jude zu Hause, abgeschafft wurde. Nun strebt man auch danach, auf der Strasse ein Jude zu sein. Aber man soll nicht vergessen, auch zu Hause ein Jude zu sein. Damit meine ich nicht den Misrachi. Warum tut aber der Misrachi nichts in bezug auf die Jeschiwoth im Galuth? Jeder der Rabbiner, der hier sitzt, könnte doch zum Leiter einer Jeschiwah werden. Wir sehen aber, dass die Fraktionen von rechts und von links sich nur mit den Fraktionskämpfen abgeben und die lebendigsten Probleme vernachlässigen. Jetzt auf der Schwelle der neuen Epoche, wo wir die Jewish Agency vorbereiten, — ich halte sie für eine grosse Epoche, von der wir viel erwarten dürfen — jetzt sollten wir uns alle vereinigen und nicht mehr auf Kompromisse eingehen. Die neuen Elemente, die zu uns kommen, anerkennen nur die nationale