Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 473)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wolfsberg 335 Setzung der gewaltigen grossen Tradition in Leben und Fortschritt des Judentums, will, dass diese jüdische Generation lebendig bleibt in ihrer schöpferischen Kraft ohne Verzicht auf die zeitgeraässen Leistungen, die die Menschen unseres und Ihres Kreises auch erstreben. Wir wollen, da;s Neues sich im Denken ergibt, aber dass die Lehre die alte bleibt. Wir haben keine Thorah chadascha, sondern eine ewige Thora. Wie die Verlebendigung der Halachah möglich ist, ist nicht meine Sache hier zu sagen. Aber von diesen beiden Fundamenten aus, dar Halachah in der Erneuerung der Religionsphilosophie im Geiste und mit der hebräischen Sprache, muss sie geschaffen werden, und ich will nochmals betonen, dass ich mich schäme, vor Ihnen nicht hebräisch sprechen zu können. Die Sprache ist die dogmatische Voraussetzung jedes Zionismus und sollte eine jedes Judentums werden. Aber wir werden nicht müde sein, zu lehren, dass mit ihr sich paaren muss jüdische Tradition mit all ihrem Reichtum, um das jüdische Leben wirklich so reich zu machen wie es ist, wie es war und wie es sein könnte. Die erzieherischen und kulturellen Dinge in der Galuth liegen nicht gut. Wir haben im Elternhaus und in der Schule tief anzusetzen. Darauf wird allerdings, da die Galuth noch so gross ist, ein erheblicher Teil des Schicksals des jüdischen Volkes beruhen. Wir können geltend machen, dass die misrachistischen Schultypen Erez Israels und mancher Städte der Galuth den Beweis dafür erbringen, dass unser Erziehungssystem nicht nur alle Kräfte der Tradition in sich trägt, sondern alle Forderungen der Gegenwart, nicht nur für das gewöhnliche, alltägliche Leben, sondern für das geistige Leben eines modernen Menschen, dass es das verwirklicht, was wir in der Theorie oft aussprechen. Ich habe die Hoffnung auf eine immer höhere Entwicklung unserer Schultypen und auf die Erziehu ig der ihnen entwachsenden Schüler. Ich habe geglaubt, dass es besser ist, an die Stelle der Polemik einen kurzen grundsätzlichen Abriss zu setzen. Politisch habe ich Bedenken dagegen, den Vorschlag Grünbaums, einen neuen Fonds zu scharfen, anzunehmen. Nicht nur, weil es sich um eine Zersplitterung der Kräfte handelt, sondern weil dieser Fonds in vielen Ländern eine grosse Unruhe bringen wird, in denen es Menschen gibt, die von den andern Fonds nur deshalb erfasst werden, weil der Keren Hatarbuth fehlt. Ein kurzer Hinweis auf die innige Verbindung von Leben (Arbeit) und Lehre im Ideal des Zeire Misrachi sei hier getan. Die Nähe der beiden ist verheissungsvoll. Mir liegt aber daran, dass Ihnen in Erinnerung bleibt, was ich versuchte, zu sagen: dass es möglich sein muss, eine gute, weitgehende Verständigung zwischen Zionisten und Juden der traditionellen Richtung im finden. (Lebhafter Beifall.)