Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 465)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grünbaum 327 sich in Russland befinde, drei Sprachen besitze. Er rechnete die russische Sprache als eine der Sprachen des jüdischen Volkes in Russland. Und wenn auf der Wiener russischen Landeskonferenz Jabotinsky der erste war, der verlangte, dass die hebräische Erziehung eine vollkommene sei, so beruhte dies damals eigentlich mehr auf dem Bestreben, die hebräische Sprache zu verbreiten. Als uns dann Jabotinsky aufforderte, die Errichtung von reinen, modernen hebräischen Schulen einzuleiten, keine reformierten Chedarim, als uns Jabotinsky aufforderte, alle Lehrfächer im Hebräischen zu unterrichten, konnte diese Idee damals nicht ausgeführt werden. Die Verhältnisse waren damals noch nicht reif dazu. Nach dem Kriege haben sich aber die Dinge vollkommen geändert. Russland wurde in viele neue Staaten geteilt, ebenso Oesterreich. Rumänien und Polen gewannen neue Gebiete, wo die russische Sprache und die russische Kultur herrschten. Und die Juden dieser Länder wie auch die der Randstaaten, Litauen, Lettland, Estland, stiessen plötzlich auf eine neue Sprache und eine neue Kultvr, von deren Existenz sie manchmal gar nichts gewusst hatten. Die Juden mussten sich den neuen Verhältnissen anpassen. Und so wurde die Möglichkeit für hebräische Kulturarbeit geschaffen, insbesondere in den Randstaaten, in Polen, in Rumänien, in Karpathorussland, in Litauen und Lettland. Da dort der Jude gezwungen war, die russische Sprache aufzugeben und eine neue Sprache zu wählen, wählte er die hebräische Sprache — oder auch die jüdische. Damals entstanden in den Randstaaten spontan die ersten hebräischen Schulen. Die Regierungen der kleinen Völker, besonders die nicht hofften, dass die Juden sich in kurzer Zeit ihrer Sprache und ihrer Kultur anpassen würden, wollten vor allem die Juden der russischen Literatur, der russischen Kultur, der russischen Sprache entfremden, störten die Juden nicht und halfen oft auch die hebräische Kulturbewegung fördern. Ich will damit nicht die historische Tätigkeit der Personen verkleinern, die bereits in Russland nach der März-Revolution 1917 diese Arbeit einleiteten. Es waren die Genossen Zlatopolski, Frau Persitz, Naiditsch und andere. (Beifall.) Das war zu jener Zeit natürlich, als das russische Judentum erwachte und fühlte, dass es das jüdische Leben auf neue Grundlagen zu stellen habe. Eine dieser Grundlagen sollte nach der Ansicht der erwähnten Genossen die hebräische Kultur, die hebräische Sprache sein. Es trat aber die bolschewistische Revolution ein, und dieses ganze Gebäude wurde fast vollständig zerstört. Ich will nicht auf die Einzelheiten der Lage in Sowjetrussland eingehen. Ich möchte nur bemerken, dass die hebräische Kulturarbeit dort auch unter den schwersten Verhältnissen nicht eingestellt wurde. So wie in Sowjetrussland unter schweren Verhältnissen die Habimah geschaffen wurde, die unsere Theaterkultur begründet, die Geister beeinflusst, die Kenntnis und die Liebe zum Hebräischen verbreitet hat, ebenso besteht kein Zweifel, dass trotz den schweren Verhältnissen in Russland noch eine neue Kultur, eine hebräisch-nationale Kultur geschaffen wird. (Beifall.) 29