Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 434)
- Language
- German, English, Hebrew
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296 11. KONGRESS-SITZUNG: Debatte über die Palästina-Referate In Metullah, wo der Misrachi die allgemeine Schule übernahm, hat er das furchtbare Verbrechen begangen, die Zahl der Lehrstunden aus eigenen Mitteln um zwei in jeder Klasse zu erhöhen, in denen Thora gelernt wird. Dieses Verbrechen hat uns Frau Szold vorgeworfen, den Vorwurf können wir leicht tragen. Wie es mit der Heranbildung von religiösen Lehrern steht, dafür ist der beste Beweis, dass man in Chederah einen religiösen Lehrer brauchte, und als man sich deshalb an die Abiturienten des hebräischen Lehrerseminars in Jerusalem wandte, diese offen erklärten, sie seien nicht religiös. (Unruhe.) Die zwei religiösen Schulen in Jerusalem, die der Sefardim und die Tachkemoni-Schule, welche von dem zionistischen Erziehungsdepartement verwaltet wurden, hatten die Früchte dieser Verwaltung am eigenen Leibe zu spüren. Die sefardische Schule, welche früher eine ausgezeichnete und hochstehende Anstalt war, wurde unter der zionistischen Leitung in eine freie Schule auf sehr niedrigem Niveau heruntergebracht und konnte sich erst wieder gut entwickeln, als sie der Misrachi vor sechs oder sieben Jahren übernahm. Seither ist sie eine gute Schule und eine religiöse Schule geworden. Aber die erste Sparsamkeitsmassnahme der neuen Exekutive war, in dieser Schule vier Klassen zu schliessen, in einer Schule, welche es sich als Verdient anrechnen kann, die Kinder vor der Mission gerettet zu haben. Die Tachkemoni-Schule in Jerusalem, weiche von religiösen Eltern gegründet wurde, erhielt, als sie unter die Leitung der Erziehungskommission der zionistischen Exekutive kam, zumeist freie Lehrer. Heute finden sich unter den zehn bis zwölf Lehrern an ^dieser Schule nur zwei religiöse Lehrer. Die Hauptfrage beim ganzen Schulproblem ist die der Autonomie. Frau Szold betont, dass die Schulautonomie des Misrachi das Erziehungsdepartement an der Entwicklung des Schulwesens hindert. Die Frage ist aber anders zu stellen: Darf die Schule des Misrachi überhaupt vernichtet werden? Wenn die Autonomie aufgehoben wird, so bedeutet es, dass in zwei bis drei Jahren das gesamte religiöse Schulwesen vernichtet sein wird. Denn es ist nicht möglich, dass Menschen, die auf einem freien Standpunkt stehen, religiöse Schulen führen. Auch das Umgekehrte wäre schwer möglich. Wir hatten schon in der Zeit vom V. bis zum X. Kongress eine Art Kulturkampf, in welchem der Misrachi in der Opposition stand. Damals ging es darum, ob der Misrachi die Errichtung freier Schulen erlauben könne oder nicht. Heute, da wir tolerant sind und gegen die Entwicklung freier Schulen nichts einzuwenden haben, ist die Frage umgekehrt: Wenn wir religiöse Schulen führen wollen und verlangen, man möge uns nicht stören, dann führt die neue Exekutive ihren Standpunkt von Konsolidierung und Konzentration ins Treffen. Die Konsolidierung wird nur erfolgen, wenn die zionistische Leitung jeden sein Schulwesen auf seine Weise führen lässt. Wir verlangen nicht, dass die Nicht-