Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 406)
- Language
- German, English, Hebrew
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268 10. KONGRESS-SITZUNG: Referat über Jewish Agency und Keren Hajessod greiflich, deren Tempo stets den Möglichkeiten des realen Lebens vorauseilen muss. Sie sind besonders verständlich in einem Jahr wie diesem, in welchem der Keren Hajessod noch mit der finanziellen Abwicklung der letzten palästinensischen Krisis zu tun hat, während sich schon die Anzeichen eines neuen Aufschwunges zeigen, der neue und grössere Mittel erfordert. Wir müssen uns aber auch in einer solchen Zeit hüten, zu Mitteln zu greifen, welche vielleicht zu einer augenblicklichen kleinen Verbesserung der finanziellen Lage führen, die aber sicher die Grundlagen des Keren Hajessod erschüttern. Fonds aufzubauen, die eine so starke Forderung an die Öffentlichkeit stellen, wie der Keren Hajessod, obwohl sie so ausschliesslich auf den guten Willen des Spenders und auf das Kapital an Liebe zu Palästina, das im jüdischen Volk vorhanden ist, angewiesen sind — das kann nur einmal gelingen. Die zionistische Oeffentlichkeit muss sich auch bewusst sein, dass die Art der Beschaffung des nationalen Kapitals für die nächste Zukunft weiterhin in den bisherigen Formen des Keren Hajessod sich vollziehen wird. Die Bedürfnisse der immer sich erneuernden Immigration auf kolonisatorischem und kulturellem Gebiet werden noch lange den Möglichkeiten der Aufbringung von Mitteln im Lande selbst und auf dem Wege normalen kapitalistischen Lebens weit vorauseilen. Es müssen in der Kapitalbeschaffung immer wieder Lücken entstehen, die nur durch nationale Sammelfonds ausgefüllt werden können. Und die Methoden der Sammlung werden zumindest auf eine erhebliche Reihe von Jahren dieselben sein müssen wie heute. Nichts ist hierfür charakteristischer, als dass die Palestine Joint Survey Commission in ihren Londoner Resolutionen den Keren Hajessod als den heute allein gangbaren Weg festgestellt hat, um grössere nationale Kapitalien für Palästina zu erhalten. Dieses Gutachten ist eine der Grundlagen der erweiterten Jewish Agency geworden. Der K. H. wird ihr Finanzinstrument. Die aktive Teilnahme an den Landeskomitees des K. H. wird daher die wichtigste laufende Aufgabe der neuen Mitglieder der Agency werden. Viele von ihnen sind ja schon bisher an der aktiven K. H.-Arbeit beteiligt. Und auch die ideellen Unterlagen der K. H.¬ Arbeit, die ich vorhin noch einmal kurz skizziert habe, werden in ihrem durch acht Jahre mühseliger und erfolgreicher Arbeit bewährten Aufbau unter den neuen Verhältnissen dieselben bleiben. Ihr Wert wird sich gerade nach der Erweiterung der Agency erweisen, wenn sich ein grösserer Kreis von Nichtzionisten mit uns nicht nur in der Arbeit für Palästina, sondern auch in der Verantwortung für die Errichtung des nationalen Heims vereint. Alles politische Leben rechnet mit messbaren Zeiten, und so müssen wir in der Politik unseres Sammelwesens für Palästina unsere Massnahmen nach den voraussichtlichen Möglichkeiten der nächsten Jahre einstellen. Welche Formen sich allmählich entwickeln werden, können wir heute nicht übersehen. Hoffentlich werden in nicht allzu ferner Zeit die einzigen historisch gebliebenen orga-