Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 366)
- Language
- German, English, Hebrew
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228 9. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte insbesondere den Kampf um die jüdischen Gemeinden aufzugeben. Es ist doch letzten Endes unsere Aufgabe, aus den Juden Zionisten zu machen und nicht nur Menschen, welche beim Palästina-Aufbau mit uns arbeiten. Es ist viel leichter, in den jüdischen Gemeinden dafür Sorge zu tragen, dass der Gedanke der jüdischen Renaissance durchgesetzt werde, wenn wir die Gemeinden in unseren Händen haben oder doch als richtunggebender Faktor in ihnen sitzen. Ich glaube, in dieser Beziehung auf die Verhältnisse in unserer Berliner Gemeinde hinweisen zu dürfen. Darf ich daran erinnern, welche Mühe unser grosser Führer Theodor Herzl sich gab, die Herren der ICA für unseren Palästina-Gedanken zu gewinnen? Dadurch, dass die Berliner jüdische Gemeinde von uns entscheidend beeinflusst wird, ist es zum ersten Male möglich geworden, in den Rat der ICA einen Zionisten zu schicken. Die ICA hat in Palästina, in Judäa und Galiläa ernste Interessen, und es ist nicht gleichgültig, mit welchem Nachdruck diese behandelt werden. Ich glaube, dass die Möglichkeit bestehen muss, das Palästina-Programm der ICA zu erweitern, und dass es darum gut sein wird, wenn im Conseil der ICA recht viele Herren sein werden, die mit unserer Arbeit möglichst eng verbunden sind. Es muss der Tag kommen, wo es keine jüdische Gemeinde gibt, welche nicht ihren Beitrag an den Keren Hajessod zahlt. Und wenn wir in der Berliner jüdischen Gemeinde ein Katheder an der Hebräischen Universität in Jerusalem geschaffen haben, das den Namen „Lehrstuhl der Berliner jüdischen Gemeinde" führt, so scheint mir dies auf dem Wege der Verbindung des Gemeindelebens mit Palästina ein verheissungsvoller Anfang zu sein. Das Finanzinstrument der Jewish Agency wird, wie bekannt, der Keren Hajessod sein. Ich glaube aber, dass darüber hinaus vielleicht die Möglichkeit bestehen wird, für kulturelle Aufgaben in Palästina besondere Fonds zu haben. Ich habe darüber bereits in Karlsbad gesprochen, und wir haben damals auch einen einstimmigen Beschluss in der Richtung gefasst. Ich glaube, dass es möglich sein wird, von den jüdischen Gemeinden der Welt Beiträge für den Schulaufbau in Palästina zu bekommen. Hebräische Erziehung in Palästina ist eine Angelegenheit, für welche die Juden in aller Welt reges Interesse zeigen, es bedarf nur systematischer Arbeit. Wir gehen mit aller Hoffnung für gute, gemeinsame Arbeit in die Jewish Agency. Aber wir dürfen keinen Augenblick vergessen, dass wir neben dieser gemeinsamen Arbeit mit den Nichtzionisten noch eine grosse und gewaltige Erziehungsarbeit im gesamten jüdischen Volk zu leisten haben. (Lebhafter Beifall.) Noch unter einem anderen Gesichtspunkt sehe ich die Jewish Agency als einen wertvollen Faktor an. Wir hoffen ja, dass von Palästina eine Art geistiger Erneuerung in die jüdische Gemeinschaft der ganzen Welt getragen werden wird. Hier liegen auch grosse Schwierigkeiten, wenn