Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 360)
- Language
- German, English, Hebrew
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222 8. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte halb der Organisation, und trotzdem war bis zum letzten Moment bei ihnen die Stimmung mitzugehen, weil so besser Opposition zu machen ist. Die Kritik, die hier von manchen Fraktionen an der Politik der Exekutive geübt wurde, speziell von den Revisionisten und von Berl Kaznelson, hat sich selbst fast zunichte gemacht, da man die Exekutive für alles verantwortlich macht und alle Beschuldigungen, die nur möglich sind, gegen sie erhebt. Ich will die Exekutive nicht verteidigen, aber der Bericht Weizmanns hat sehr deutlich gesagt, dass nur auf gewissen Gebieten Erfolge errungen wurden. Weizmann selbst ist sehr unzufrieden; wenn man ihm Vertrauen schenken wird, und wenn er weiter seine Kraft haben wird, so bin ich sicher, dass er weiss, was er zu tun hat, welche Forderungen er zu stellen hat und wie er sie zu stellen hat. Man darf nicht nur Forderungen stellen, sondern man muss früher überlegen, wohin sie führen. Die Angelegenheit der Klagemauer ist hier schon banal geworden. Jeder befasst sich mit dieser Sache. Auch wir waren sehr aufgeregt und haben ein grosses Geschrei erhoben und verstehen durchaus die Bedeutung der Sache für die jüdische Welt. Es ist aber Tatsache, dass alles, was man von uns fordert, geschehen ist und dass die öffentliche Meinung unsern Schrei gehört hat. Es ist in dieser Sache zu überlegen, dass es der Wille einiger unserer Feinde ist, diese Frage zu der grössten Frage für den ganzen Jischuw zu machen, und das wäre ein Fehler. Die Frage ist verbunden mit den religiösen Gefühlen anderer, und dadurch können die Araber gewisse Dinge hervorrufen, die für uns gefährlich sind. Es ist nicht so schlecht, wenn die Exekutive hier vorsichtiger ist als in andern Dingen. In der Frage der Immigration und des Hebräischen soll man die Forderung mit dem grössten Mut stellen. (Zwischenruf M. Grossmann: „Sie stellen schon vier Jahre Forderungen und mit welchem Resultat?*4) Was den Vorfall Wise betrifft, so hat er sich ein Ansehen gegeben, das ihm nicht zukommt. Zu Borah ging er nicht als Vertreter der Organisation oder der Exekutive und nicht als Vizepräsident des Aktionskomitees, sondern als Ehrenpräsident des jüdisch-amerikanischen Kongresses. Das war sein Recht und seine Pflicht. Wenn er erklärt hat, er habe es getan, weil die Exekutive nichts tue, so ist das nicht so ernst zu nehmen, das ist so eine Redensart. Auch mit englischen Politikern hat er in obiger Eigenschaft verhandelt. Es hat niemand das Recht, sich etwas anzumassen, was die Prärogative der Exekutive ist. Jabotinsky hat eine Definition des National Home gegeben, wonach es nicht weniger bedeutet als den Judenstaat. Wie stellt sich Jabotinsky einen jüdischen Staat vor, der nur Platz für eine Partei hat, die sogar nur Minorität ist. Eine so enge Parteiherrschaft, wie sie Jabotinsky will, ist nur möglich in einem fascistischen Staat.