Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 184 (sequence 322)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476286--7334-3483482
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

184 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte ten Rede. Alle, die wir in Erez Israel wohnen, fühlen die zweite Wahrheit am Tag und in der Nacht, in allen Formen unseres Lebens, und es kann der beste Jurist kommen und uns zeigen, dass die Regierung hier und hier und hier Recht hat, und wir werden antworten, mit unserem menschlichen Gefühl, mit unserem gewöhnlichen Verstand: das ist nicht wahr. Unsere Lage in Erez Israel ist nicht gut. Ich nenne keine Tatsachen, denn sie haben keine Bedeutung, es ist nur ein allgemeines Gefühl. Eine ungeheuer tragische Frage ist brennend: die Frage der Klagemauer. Diese Geschichte dauert schon Jahre, ist am brennendsten im letzten Jahre geworden, und die Nachrichten, die jetzt kommen, sind schrecklich. Ich kann einen guten Advokaten nehmen, und er wird Ihnen nach allen Paragraphen zeigen, dass die Araber und die englische Regierung das Recht haben, so zu tun. Aber ich werde Ihnen sagen, was ich vor vier Monaten einem der höchsten Leiter der englischen Regierung in Palästina gesagt habe: Sagen Sie mir als Gentleman ehrlich und offen, wenn diese selbe Geschichte mit ihren Gesetzen und Beziehungen zur arabischen Welt nicht bei uns an der Klagemauer, sondern beim Christusgrab geschehen wäre, hätten Sie nicht in 24 Stunden die ganze Frage erledigt? (Beifall.) Seine Antwort war: wir hätten sie sofort erledigt. Darin liegt die ganze Tragödie. Ich weiss, wir sind schwach, ich weiss, wir haben keine Kräfte, ich weiss, wir haben keine Möglichkeit, die Situation zu ändern. Wir sind schuld, dass wir schwach sind, das grösste Verbrechen in der Welt ist Schwäche. Aber eines will ich den Präsidenten fragen: Wozu uns beruhigen? Wozu uns die Situation so darstellen, als ob sie beruhigend sei? Dr. Weizmann, Sie sind einer unserer besten Zionisten, unserer besten Juden, unserer klügsten Menschen. Sie waren in Erez Israel. Sie sollen mir sagen, was Sie nicht offiziell sagen. Ich weiss genau, dass Sie dasselbe fühlen wie wir. Wir sind hier in diesem Saale keine Feiglinge. Wir sind Zionisten seit Jahrzehnten, wir haben uns niemals gefürchtet, auch vor Dschemal Pascha nicht, wir werden keinen Schritt zurückweichen, wie schlecht die Situation im Lande auch immer ist. Wir werden grössere Anstrengungen machen, wir werden mehr Energie entwickeln. Das zu sagen, wäre die Aufgabe eines Führers und nicht die Beruhigung: alles ist in Ordnung. Wenn der Führer der Revisionisten sich in seinem Programm nur auf das rein politische Moment begrenzt hätte, wenn er den verlornen Kampf gegen die Agency, das unreale ökonomische Programm, die unfruchtbaren und schädlichen Reibungen mit der Arbeiterschaft aufgegeben hätte und sich nur auf den politischen Gesichtspunkt beschränkt hätte, dann hätte die grosse Mehrheit des palästinensischen Judentums dieses Programm akzeptiert. Das zweite Moment ist die arabische Frage. Ein Verbrechen ist es, wenn jemand in dieser Frage provoziert. Aber welchem Zwecke dienen die ständigen auf allen Kongressen abgegebenen Erklärungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.