Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 321)
- Language
- German, English, Hebrew
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Levin, Ussischkin 183 Palästina wird gestaltet werden nach dem Charakter derjenigen, die die tägliche Arbeit dort leisten. (Beifall.) Hätte eine andere Partei einen solchen Fortschritt in Palästina gehabt, so hätte sie ihn ganz anders ausgenützt. Wir verstehen es eben gar nicht, die Wirkung unserer Idee auszunützen. Ich bedaure es aufs tiefste, dass die Agency erst jetzt zustande kommt. Die richtige Zeit wäre vor fünf Jahren gewesen. Damals, als es in der jüdischen Welt so viele Generale ohne Armee gab, war der psychologische Augenblick da. Wir haben ihn versäumt. Doch das ist vorüber und lieber später als gar nicht. Wir kehren von der Organisation zurück zur Bewegung und wollen dieser Umkehr Ausdruck verleihen durch die Agency. Geradezu symbolisch hierfür ist die Wahl von Chaim Nachman Bialik in Palästina und von Schalom Asch in Warschau auf der nichtzionistischen Seite. Nicht die Organisation, sondern die Bewegung hat sie gewählt. Es kommt eben eine neue Epoche, vielleicht gegen unseren Willen. Vielleicht ist auch Weizmann gerade durch seine Kraft der Intuition zur Jewish Agency geführt worden. Wenn ich an die Zukunft Palästinas denke, so sehe ich sie in folgendem Bilde: Nach meinen Kenntnissen der bisherigen Geschichte wird wohl der künftige Geschichtsschreiber verzeichnen: im Jahre 1929 mit dem 21. Tamus hat eine neue Aera im zionistischen Gedanken begonnen und eine neue Aera in der Entwicklung Palästinas. Zu dieser Aera hat vielleicht zunächst der Präsident und seine anderen Mitarbeiter der Leitung beigetragen und zweitens der Zionistische Kongress. Für mich gibt es keine andere Prognose. (Lebhafter Beifall.) M. M. Ussischkin (A.C. — spricht jüdisch): Geehrter Kongress, ich will Ihnen ein paar Worte nicht im Namen des Keren Kajemeth und nicht im Namen dieser oder jener Gruppe sagen, sondern im Namen eines freien Delegierten. Ich will keine Rede halten, ich will nur einige Bemerkungen zu den Hauptfragen in den offiziellen Vorträgen und Referaten machen und auch dazu, was nachher einige Redner gesagt haben. Das erste Moment ist das unserer politischen Lage in Erez Israel. Sie haben in dieser Frage zwei Reden gehört: eine vom Präsidenten der Organisation und eine vom Führer der Revisionistischen Partei. Das waren zwei Reden aus zwei verschiedenen Welten: v/o ist die Wahrheit? Es gibt zwei Wahrheiten — es gibt eine Wahrheit von juristischen Paragraphen, von Gesetzen, von Erklärungen, und es gibt eine zweite Wahrheit vom inneren Gefühl und gewöhnlichem Menschenverstand. Die erste Wahrheit war in der ersten Rede, die zweite Wahrheit in der zwei- 20