Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 320)
- Language
- German, English, Hebrew
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182 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Soviel auch über das Jewish Agency-Abkommen gesprochen wurde, so sprach man doch nur von einer Seite, während das Abkommen auf zwei Seiten beruht. Ist denn die andere Seite ganz passiv, wollen wir vielleicht Automaten in die Partnerschaft hineinnehmen? Soweit ich die anderen Herren kenne, sind sie keine Automaten. Es ist merkwürdig, dass kein Wort darüber gesprochen wurde, was eigentlich die anderen Herren bei uns suchen. Dieselbe treibende Kraft, welche Herzl und Nordau zu uns gebracht hat, sie dauert in der Geschichte fort. Die Leute, welche heute zu uns kommen, müssen doch auch von einer Kraft getrieben werden. Statt nun die Gründe dieses Kommens vom Standpunkt der Bewegung zu betrachten und den Umstand, dass diese Männer heute bei uns sind, als Sieg der Idee anzusehen, spricht man mit Misstrauen von einer Konkurrenz gegen den Zionismus. Weil wir uns aber seit zehn Jahren ausschliesslich mit der Organisation abgeben, sind wir alle passiv geworden, und man darf auf zionistischen Kongressen heute nicht von der Idee sprechen. Ich möchte auch auf ein zweites symptomatisches Moment hinweisen: Sie sprechen immer nur von Marshall und Warburg, es kommen doch auch Shipliakow und andere Sozialisten, was ebenso kennzeichnend ist für den Wandel der Zeiten, wie das Kommen von Marshall und Warburg. Und nach Marshall und Warburg und den anderen werden noch weitere Kreise kommen. Meinen Sie ja nicht, dass diese, die jetzt kommen, die am weitesten entfernt sind, es gibt solche, die noch weiter von uns entfernt sind, denn die Kräfte im Zentrum des jüdischen Lebens, die wir repräsentieren, waren bisher nicht ausreichend, um die äussere Peripherie heranzuziehen. Glauben Sie wirklich, dass die Assimilationssucht nur die reichen jüdischen Kreise beherrschte? Es gab und gibt auch eine linke Assimilation, vom Bund bis zu den Trade Unions in Amerika, eine Assimilation, die ihren Ausdruck in der jüdischen Presse gefunden hat. Da aber die Bewegung stärker geworden ist, so zieht sie mit ihrer zentripetalen Kraft von einer Seite Marshall und Warburg, von der anderen Seite Shipliakow und die anderen jüdischen Sozialisten heran. Nun entsteht abermals die Frage, woher kommt diese erneuernde Kraft unserer Bewegung, wie ist ihre zentripetale Wirkung stärker geworden? Solange wir bloss auf den zionistischen Gedanken angewiesen waren, waren wir zu schwach, dass unsere Kräfte bis an die Peripherie gereicht hätten, heute aber haben wir Palästina, und das Verhältnis auf unserer Seite ist heute nicht fifty, sondern fifty plus Palästina. (Beifall.) Ich bin der Ueberzeugung, dass wir die Jewish Agency annehmen werden. Mich interessiert aber nicht, wie Sie stimmen, mich interessiert Ihre Stimmung, un 1 da muss ich mit Bedauern konstatieren, dass wir statt den Sieg unserer Idee zu feiern, den wir errungen haben, uns pessimistischen Stimmungen hingeben.