Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 318)
- Language
- German, English, Hebrew
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180 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Ich möchte nun noch zur Frage der Agency eine Bemerkung machen und möchte auch bitten, diese gnädigst zu berücksichtigen. Ich habe zwanzig Jahre lang Ratschläge gegeben und man hat sie nicht befol;t. Heute sehe ich mich gezwungen, wieder einen Rat zu erteilen, vielleicht ist es mein letzter Rat, vielleicht wird man ihn dieses Mal doch befolgen. Ich bin der Meinung, dass wir den neuen Herren volles Vertrauen entgegenbringen müssen. Und besonders, soweit es sich um die Arbeit in Palästina handelt, sollten wir ihnen den Vorrang geben. Wir sind verpflichtet, besonders in der ersten Zeit, den Methoden dieser Herren den Vorzug einzuräumen. Anders steht die Sache aber in politischer Beziehung. In dieser haben wir trotz allen Fehlern, die begangen wurden, nicht versagt, wir haben mehr gehalten, als die Welt von uns erwartet hat, und es ist keine Veranlassung für uns, in politischer Beziehung abzudanken. Wir haben die Pflicht, für den politischen Teil der Arbeit nach wie vor die Verantwortung zu tragen. In dieser Hinsicht müssen wir den prädominierenden Einfluss verlangen. Und es ist unerlässlich, dass wir das den Herren jetzt vor der definitiven Abmachung offen und ehrlich sagen. Und die Herren werden auch unser Verlangen verstehen. Nun werden Sie mich fragen, wie man das macht, nachdem die Konstitution doch schon fertiggestellt ist. Ich habe mit den Gegnern der Agency hier im Saal davon gesprochen, und diese haben mir nahegelegt, in politischer Beziehung für uns 51 Prozent Stimmrecht zu verlangen. Aber ich halte das für keine Angelegenheit von Prozenten. Es kommt nicht auf 50 oder 60 Prozent an, das ist Sache guten Willens. Es müsste ein Gentlemen-agreement getroffen werden, ein Arrangement, das unter Gentlemen vollwertig ist. Das würde vollkommen genügen und von Dauer bleiben, bis der Zustand einträte, dass alle Unterschiede unter uns aufgehoben wären. Es gibt eine weitere tiefe Ursache, warum es zur Jewish Agency gekommen ist. Sie kennen sie alle, doch hat merkwürdigerweise keiner hier darüber gesprochen. Dr. Ruppin hat hier u. a. vorgetragen, dass wir die jüdische Bevölkerung Palästinas auf eine Million bringen müssen. Und manche sind damit nicht zufrieden. Wie steht es in Wahrheit damit? Nach dreissig langen Jahren schwerer Arbeit haben wir m i t der Privatinitiative, m i t Rothschild die jüdische Bevölkerung Palästinas von 80 000 auf 160 000 gebracht! Wer Verantwortungsgefühl hat, muss verstehen, dass nun der Moment gekommen ist, dass wir alles mögliche anwenden müssen, um die jüdische Bevölkerung Palästinas zu erhöhen, coüte que coüte. Es ist hier gestern von Sicherungen gesprochen worden. Mein Freund Wise verlangte Sicherungen, die wir unbedingt den Agency- Leuten gegenüber haben müssen. Es gibt eine solche Sicherung und das sind w i r selbst. Andere Sicherungen nützen nichts. W i r können, w i r müssen die Garantie bilden. Wir haben gar keinen Anlass, Unruhe zu