Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 313)
- Language
- German, English, Hebrew
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Glücksohn, Hindes 175 Schulwesen in Erez Israel. Auf diesem Gebiete wurde vieles geleistet Wir sprechen aber von einer umfassenden kulturellen Arbeit unter dem jüdischen Volke, von der breiten zionistischen Erziehungsarbeit, die jetzt, unter den neuen Verhältnissen, denen wir entgegengehen, mehr denn je eine Lebensnotwendigkeit für unsere Bewegung ist. Dabei kommt es mir nicht auf Budgetfragen an. Ich mache der Exekutive keinen Vorwurf daraus, dass sie nicht für die hebräische Kulturarbeit, für die hebräische Literatur und Kunst Geld hergegeben hat; worauf es uns hier ankommt, ist die allgemeine Einstellung. Es gibt nicht das nötige Interesse dafür. Wir haben keinen Willen von sehen der Organisation gesehen, sich mit kulturellen Problemen irgend welcher Art zu beschäftigen. Ein Beispiel: Hier in Zürich befinden sich zurzeit die Vertreter der Habimah, dieses hervorragenden kulturellen Werkes, das vielfach als nationales Gut ersten Ranges bezeichnet wurde. Und was ist das Verhalten unserer Exekutive diesem Werke gegenüber? Ich kann hier leider nicht des Näheren auf die grossen Probleme unserer inneren Aufgaben eingehen, die in dieser Epoche, wo wir auf dem Scheidewege stehen, die entscheidenden Probleme unserer Existenz und unserer Zukunft sind. Ich kann nur den Wunsch aussprechen, dass die Exekutive, die gewählt werden wird, auf der Höhe ihrer Aufgabe und in der Tat an der Spitze des Werkes der jüdischen Renaissance stehen wird, nicht nur in Erez Israel, sondern auch in der ganzen Welt. (Beifall.) Dr. Matthias Hindes (A. C. — spricht jüdisch): Man spricht in der letzten Zeit viel davon, dass der Kongress in Agonie liegt oder schon gestorben ist. Wenn man die Frage unvoreingenommen prüft, so muss man sagen, dass die Bedeutung des Kongresses nicht nur von organisatorischen Formen und nicht nur von seiner Kompetenz und der der Agency abhängt, sondern auch vom Inhalt des Kongresses. Hat dieser Kongress in der zionistischen Ideologie einen Schritt vorwärts gemacht oder hat er uns in die alte Zeit zurückgeworfen? Die Sehnsucht nach Zion ist tausende Jahre alt, aber der moderne Zionist sagt, dass der Glaube an ein Wunder vorüber ist und dass wir mit unseren eigenen Händen auf der sündigen Erde, auf der wir leben, und gemäss irdischen Gesetzen unsere Idee verwirklichen müssen. Trotz allen Unterschieden zwischen rechts und links stehen wir alle auf dem realen Boden der ökonomischen und politischen Gesetze. Aber es gibt bei uns gewisse Stimmungen, die uns in die alte Romantik zurückwerfen und mit jenen Gesetzen nicht rechnen wollen. Wir erleben auch auf diesem Kongress einen Kreuzzug gegen Buchhaltung, gegen Ziffern, gegen Oekonomie und Wirtschaftssystem. Ich verstehe nicht, warum man die Exekutive unter der Parole des Geistes bekämpft und sich gegen Ziffern und ökonomische Gesetze wendet.