Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 312)
- Language
- German, English, Hebrew
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74 7. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Und genau so wie in der Haltung der Exekutive nach aussen hin diese allgemeine Tendenz der Nachgiebigkeit, diese allgemeine Schwäche obwaltet, so herrscht sie auch nach innen. Und da komme ich zur Agency-Frage. Ich kann hier nicht auf das ganze Problem eingehen. Wir anerkennen gerne, dass sich die Exekutive für die Forderungen der letzten Kongresse und des Aktionskomitees loyal eingesetzt hat. Sie hat diese Bedingungen, die für uns Grundbedingungen sind, durchgesetzt. Aber der Eindruck kann nicht verwischt werden, dass dies alles doch mit innerer Schwäche, gewissermassen aus Not und Zwang, auf den Druck des Kongresses und des A. C. hin, erfolgt ist. Man fürchtet immer, die Unzufriedenheit der andern Partei hervorzurufen. Ein Beispiel dafür: In der letzten Sitzung des A. C. wurde über die Vertretung der Knesseth Israel Palästinas in der Agency gesprochen. Die Vertreter der Exekutive haben dabei erklärt, dass es nicht fair und nicht vernünftig sei, eine verhältnismässig starke Repräsentanz zu fordern, die andere Partei würde sich nicht damit einverstanden erklären können, da so der zionistische Teil gestärkt würde. Man müsse das Prinzip des Gleichgewichts wahren. Was sehen wir nun in der Wirklichkeit? Das A. C. hat einen Beschluss im Sinne des Antrages des Waad Leumi gefasst und die andere Partei hat die Forderung akzepiert. Die Exekutive hat sich also wieder päpstlicher als der Papst gezeigt, und diese Tendenz zeigt sich heute noch in Fragen der Agency. Dr. Weizmann hat in seiner Rede über die Agency bemerkt, dass der Kongress souverän sei, von neuen Forderungen und Aenderungen der Konstitution könne jedoch keine Rede sein, der Kongress solle einfach beschliessen: Ja oder nein. Dies ist ein klarer Widerspruch. Der Kongress ist frei in seinem Beschlüsse, er soll aber einfach Ja oder Nein beschliessen, d. h. er soll Ja beschliessen. Diese Haltung ist auch auf die Unterschätzung unserer Kräfte zurückzuführen. Wenn wir uns selbst schätzen werden, werden wir auch von der anderen Partei geschätzt werden. Wir gehen in die neuen Verhältnisse hinein mit vollem Vertrauen auch zu der anderen Partei. Wir haben aber doch ein ideologisches Gut, das wir zu verteidigen haben. Wenn es in der Konstitution der Agency gewisse Paragraphen gibt, die reformbedürftig sind, so sollten wir nicht davor zurückschrecken, dass vielleicht die andern sich nicht damit einverstanden erklären könnten. Wir müssen unseren festen Willen zur Erweiterung der Basis der Agency nach demokratischen Gesichtspunkten klar zum Ausdruck bringen. Wir haben auf diesem Kongress schöne Worte über die inneren Aufgaben des Zionismus gehört, so in der Rede von Weizmann über unsere Kulturaufgaben, über den erneuten Kampf um die Seele unserer Jugend. Wir haben noch sehr schöne Worte in dieser Hinsicht von Dr. Ruppin gehört. Wir wollen hoffen, dass es nicht allein bei schönen Worten bleibt. Leider kann uns die Erfahrung in dieser unserer Hoffnung nicht stärken. Die Exekutive hat nicht das genügende Verständnis für unsere kulturellen Aufgaben gezeigt. Darunter verstehe ich nicht das