Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 302)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7314-3483462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 6. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Dr. Stephen Wise (A. C, Amerika — spricht englisch) : Ich spreche englisch, weil ich englisch und in England verstanden sein möchte. Ich beschränke mich auf drei Gegenstände. Die Mandatarregierung, die Zionisten in Russland und die Erweiterung der Jewish Agency. Was die Mandatarregierung anlangt, so erinnert Grossbritannien in seinem Verhalten in Palästina an jene antibritische Bewegung in Indien, die sich Non-cooperation nennt. Ich will nicht behaupten, dass die britische Regierung sich der Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk :>n Palästina widersetzt; ich behaupte aber, dass die Mandatarregierung in Palästina im wesentlichen, statt die Erreichung dieses Zieles ehrlich zu fördern, eine Haltung der Non-cooperation einnimmt. Ich will mich nicht auf die Einzelheiten des Zwischenfalls an der Klagemauer einlassen, der sich zu einer dauernden Quelle von Missverständnissen entwickelt hat. Aber was sollen wir von der politischen Leitung unserer Organisation halten, die erklärt, dass sie die Entfernung eines Polizeibeamten nicht durchsetzen kann, der eine beleidigende Haltung einnimmt und von dem man gleichzeitig behauptet, er habe nur auf höheren Befehl gehandelt? Ist der Untergebene tadelfrei, dann sind seine Vorgesetzten schuldig, und eine starke und fähige Führung würde diese Verletzung der Empfindungen der jüdischen Bevölkerung Palästinas der britischen Regierung eindringlich vor Augen führen. Denen, die behaupten, eine Regierung wie die von Grossbritannien könne von uns nicht gezwungen werden, kann man doch offenbar antworten, dass d:e Ausübung eines moralischen Drucks von einer so grossen und ehrlichen Regierung, wie die Grossbritanniens ist, doch nicht übelgenommen werden kann. Würden das britische Volk und die britische Regierung vorsätzlich fehlen, dann wäre die Sache schlimm; es sind aber nur untergeordnete Beamte in Palästina, die uns hemmen und uns weiter hemmen werden, solange wir uns nicht daran erinnern, dass England für „fair pl?y" ist und dass Regierung und Volk in England wenig Respekt vor Leuten haben, die sich mit weniger abspeisen lassen. Erheben wir unsere gerechten Ansprüche, dann ruft man den Status quo gegen uns an, und wenn chauvinistische Mohammedaner in Palästina uns unrecht tun wollen, dann wird wiederum der Status quo gegen uns angerufen. Letzten Endes kommt es doch nur darauf an, dass wir unsere Forderungen im Bewusstsein unseres Rechtes und mit der nötigen Festigkeit geltend machen, Forderungen, die wir nicht als geduldete Eingeborne stellen, sondern als ein Volk, mit dem sich Grossbritannien in realer Weise durch die Bestimmungen der Balfour-Deklaration und den Vertrag von San Remo in eine Partnerschaft begeben hat.