Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 296)
- Language
- German, English, Hebrew
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158 6. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Faktoren zu verhandeln hat, und wenn Herr Kaplansky davon spricht, dass seine Partei mit der Labour Party in Kontakt ist, so weiss er am besten, dass es in der Politik einen grossen Unterschied gibt zwischen Beeinflussung und offizieller Verhandlung. Wir wissen die Verdienste der Arbeiterpartei sehr genau zu schätzen, ebenso wie wir die Disziplin und die Opfer des jüdischen Arbeiters kennen. Wir vermögen auch die zionistische Orthodoxie zu würdigen, welche Kreise zu uns heranzuziehen wusste, die sonst an der entgegengesetzten Front gestanden hätten. Es ist vielleicht das grösste Wunder in Palästina, dass sich hier diese verschiedenen, ja entgegengesetzten Gruppen in der Arbeit vereinigen. Aber ich bitte Sie, nicht zu vergessen, dass auch Sie nicht das Recht haben, lächelnd und ironisch über uns allgemeine Zionisten hinwegzugehen. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Flügel des Zionismus sich auf der Grundlage des allgemeinen Zionismus entwickelt haben. Es sind verschiedene Auffassungen über die Bildung der Exekutive vorhanden. Aber worauf es ankommt ist, dass alle, welche in die Exekutive hineingehen, sich ihrer Verpflichtung bewusst sind und die volle Verantwortung tragen. Es darf nicht vorkommen, dass Parteien, die in der Exekutive vertreten sind, vor dem Kongress mit Anklagen gegen dieselbe Exekutive auftreten und ihrer Fraktionsinteressen wegen den Zionismus zerbröckeln und zerklüften. Es hat keinen Sinn, in der jetzigen Phase Theorien darüber aufzustellen, wie die weitere Entwicklung sein wird. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch für Herzl der Kongress nicht Selbstzweck war, sondern ein Mittel, das jüdische Volk zu organisieren. Wenn ich zum Schlüsse die beiden Umstände, unter deren Zeichen die Beratungen begonnen haben, einander gegenüberstelle, so will ich an die geschichtliche Wiedergabe eines Gespräches Bonapartes mit einem gewesenen Führer der französischen Revolution erinnern. Als Napoleon sich rühmte, er habe die französische Nation gross gemacht, antwortete der betreffende Veteran: Wir haben die französische Nation geschaffen! Herzl hat die jüdische Nation geschaffen, er hat dem jüdischen Volke den nationalen Charakter gegeben, das steht heute fest. Was die Bedeutung des zweiten Moments, der Erweiterung der Jewish Agency, betrifft, so wird es Sache eines künftigen Geschichtsschreibers sein, sie endgültig festzustellen. Unsere Sache aber ist es, zu einem günstigen Urteil dieses Geschichtsschreibers beizutragen, und es wird um so besser ausfallen, je mehr wir selbst uns dessen bewusst sind, dass wir alle unsere Kräfte anspannen müssen, um durch gemeinsame Arbeit zu bewirken und der Welt zu beweisen, dass der Versuch, den wir jetzt machen, nicht ein Niedergang, sondern ein Aufgang ist, nicht eine Dämmerung der zionistischen Bewegung und ein Rückschlag des Gedankens, sondern eine neue Ausstrahlung der Idee und ein Aufleuchten der Sonne im jüdischen Palästina. (Beifall.)