Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1929-01-01 · 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929 · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
Date
1929-01-01
Page
Seite 118 (sequence 256)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476286--7268-3483416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 4. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte ist alles in Ordnung, alles befriedigend: Eine Administration, die uns ganz günstig gegenübersteht, ein freundlicher Oberkommissär, — dieser nette, gute, kluge Herr, unter dessen Herrschaft eben die Infiat-Geschichte angefangen hat — die aber in der jährlichen Rede gar nicht erwähnt wurde. Alles also ist in Palästina in bester Ordnung. .. Es ist nutzlos, Resolutionen anzunehmen, nutzlos wohl auch, Reden zu halten, nutzlos zu protestieren, nutzlos zu hoffen, wenn Sie die Leitung in den Händen von Herren lassen, welche nicht eine Minute anhören können, dass man eine Administration kritisiert; in den Händen von Leuten, die mit eiserner Disziplin, kühl und schweigend, alles andere ertragen können, die aber, wenn man etwas gegen die heilige britische Administration sagt, sofort ihre Ruhe verlieren. Sacher ist ein Typus. (Beifall und Zwischenrufe.) Vorsitzender L. Motzkin: Ich bitte, nicht persönlich zu werden! (Zwischenrufe von der Galerie.) Ich werde hier aufmerksam gemacht, dass die Galerie hineinredet. Das ist selbstverständlich ganz ausgeschlossen. Sie setzen sich den grössten Gefahren aus. (Heitel keit.) Herr Jabotinsky, bitte fortzusetzen. Del. Jabotinsky (fortfahrend): Man könnte sagen, dass es heute neue Möglichkeiten gibt, weil die Regierung in England sich geändert hat. Täuschen wir uns nicht: die freundlichste Regierung kann nicht päpstlicher sein als der Papst, sie kann nicht mehr geben, als man verlangt. Wenn Sie wieder bloss Papier- Manifestationen machen, dabei aber wieder dieselbe Leitung wählen, dann werden Sie auch die neuen Möglichkeiten verspielen, ebenso wie Sie eine ähnliche politische Konjunktur vor vier Jahren verspielt haben, und die Wendung in der englischen parlamentarischen Geschichte wird uns nichts nützen. Insbesondere aber werden uns die weitestgehenden Resolutionen nichts nützen, wenn dieser Kongress gleichzeitig beschliesst, die Leitung Leuten zu übertragen, die nicht einmal abgeschwächte Zionisten sind, sondern überhaupt nicht Zionisten. Man sucht Ihnen einzureden, dass es keinen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten gebe, dass Ideen und Ideale ihre Bedeutung verloren haben; dass zwischen Leistungsfähigkeit, Leistungsanstrengung, Ausdauer einerseits und Idealen anderseits keine Brücke und keine Verbindung besteht; dass ideologische Werte, Erziehung, Begeisterung, Tradition, Nationalismus keine praktische Bedeutung haben. „Die Nichtzionisten haben ja die Balfour-Deklaration, das Mandat usw. geschluckt — ist es nicht genug?" Bialik sagte einmal: „Wehe mir! Leute, die nicht zu meiner Wesensart gehören, haben meine Gebete auswendig gelernt." Das war in seinen Augen der schlimmste Fluch. Und er hat recht. Denn bei Worten und Formeln kommt es nicht darauf an, was geschrieben ist, sondern wie man es interpretiert. Bis heute waren es meistens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.