Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky 117 nützen, um die Kolonisten zu zwingen, sich aus Kuschanbesitzern in Kläger zu verwandeln, das ist eine Prozedur jenseits von Kultur und Gesittung. (Zwischenruf: Eine Erpressung!) Ich wollte dieses Wort nicht benützen. Drittens und vielleicht das unangenehmste an der Lage ist der Zustand des Justizwesens in Palästina. Das vertrauensvolle Bewusstsein des Bürgers: „Es gibt Richter — il y a des juges ä Berlin", wurde uns in Palästina untergraben. Ein klassischer Beweis dafür ist die unfassbare Entscheidung in der Sache des Juden Palewicz, dem trotz dreijähriger Sesshaftigkeit in Palästina die Naturalisation mit der Begründung verweigert wurde, dass seine Frau für zwei Jahre nach Italien verreist sei. Die Berufung an das Appellationsgericht war nutzlos. Der Einwanderungsdirektor ging beim Obersten Gerichtshof als Sieger hervor... Man hat — von Seiten unserer Leitung — schon auf dem letzten Kongress, insbesondere in seiner politischen Kommission, Bacchanalien von Zidduk ha-Din (Apologie der Regierung) gefeiert, indem man immer wieder sagte: alle Klagen des Jischuw sind unbegründet. Das wird wohl jetzt wieder geschehen. Und doch gibt es in Palästina schlechte Gesetze, einige aus der Türkenzeit her, die die heutige Verwaltung aufrecht erhält, und einige, die die heutige Regierung selbst gemacht hat. Soeben erhalte ich ein Telegramm aus Tel Aviv, in welchem auf das schöne türkische Gesetz hingewiesen wird, das noch immer in Geltung ist, dass man nämlich für Geldschulden ins Gefängnis kommt; und ich werde aufgefordert, dahin zu wirken, dass wenigstens die Exekutive dieses Gesetz nicht gegen ihre Schuldner benütze. Die Verwaltung Palästinas ist, selbst abgesehen vom Zionismus, einfach vom Standpunkte des gewöhnlichen zivilisierten Bürgergefühls keine gute Verwaltung. Es ist kein System, welches England Ehre macht; kein erstklassiges, nicht einmal ein zweitklassiges oder drittklassiges. Jeder Jude in Palästina, mit Ausnahme der ewigen offiziellen Regierungs-Apologeten, sagt dasselbe: Palästina ist schlecht verwaltet. Nun hat der XV. Kongress gewisse politische Forderungen gestellt, und es erhebt sich die Frage: Warum sind diese Forderungen nicht erfüllt worden? Ich gebe Ihnen hier eine Antwort wieder, die ich von einem bedeutenden, ich darf auch sagen: einem bestimmenden Christen erhalten habe. Sie lautet: Resolutionen, die man auf dem Papier schreibt, haben keine Bedeutung. Bedeutung hat nur, in wessen Hände man die Ausführung dieser Resolution legt. (Beifall.) Zwei Manifestationen hat der vorige Kongress gemacht: Resolutionen auf Papier und die Wiederwahl einer Leitung, die auf demselben Kongress erklärt hatte, sie werde ihre Taktik nicht ändern. Und jetzt komme ich — um das Wort eines hervorragenden Zionisten, das vor zwei Jahren gesagt wurde, zu wiederholen, — zu der „jährlichen** Rede. Sie haben die jährliche Rede wieder gehört. Wieder