Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 253)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky 115 dem wahrscheinlich alles enthalten sein wird, was ein albanischer Patriot für sich wünscht. Aber es bleibt ein grosser Unterschied zwischen einem solchen Experten und einem albanischen Patrioten, zwischen dieser objektiven Feststellung dessen, was wünschenswert erscheint, und dem Willen, dieses Wünschenswerte durchzusetzen. So würde auch ich vielleicht eine ganz tüchtige Expertise über die jüdische Kolonisation in Argentinien, ja sogar in Russland schreiben kennen. Es sind ja meine Brüder. Aber ich werde nicht dafür kämpfen, weil es nicht mein Ideal ist. Und das bringt mich wieder zu einer definitorischen Frage: Was ist ein „Zionist" und was ist ein „Nichtzionist"? Ein Nichtzionist ist ein Herr, der Sympathien für den Zionismus haben mag (oder auch nicht), der, wenn er klug und fair ist, alle unsere Notwendigkeiten versteht, der uns vielleicht auch wiik'ich bis zu einem gewissen Grad helfen wird — soweit er sieht, dass die Sache „geht", dass sie kein Misserfolg ist. Der Zionist aber ist derjenige, der mit der Verwirklichung dieses Ideals steht und fällt, dem Misserfolge nichts beweisen und nichts bedeuten, weil er seit dem Anfang der Bewegung bis zu Kriegsende nur von Misserfolgen gelebt hat und trotz alledem an den Erfolg glaubte. Auch wenn ihm Wissenschaftler täglich bewiesen, dass der Judenstaat ein absurder Traum sei, hat er an den Traum geglaubt; denn er steht und fällt mit dem Erfolg der zionistischen Sache. Betrachtet man vom Standpunkt dieser Definitionen aus die heutige Lage im Lande, so kommt man zu sehr traurigen Schlüssen. Daher mochte ich diese Lage hier nicht im Lichte^ eines Grosszionismus betrachten, sondern bloss im Lichte der bescheidenen politischen Resolutionen des XV. Zionistenkongresses. Da gab es eine Anzahl sehr gemässigter Forderungen: zur Bodenpolitik, zur Begünstigung von Immigranten in verschiedenen Angelegenheiten und so weiter. Die Lage in Palästina, von diesem bescheidenen Standpunkt aus betrachtet, wird durch drei Beispiele charakterisiert: Erstens: Die Geschichte an der Klagemauer. Das ist eine Antwort auf die Forderung des XV. Kongresses, unsere Würde zu respektieren. Ich will nur ein Detail hervorheben. Hätte die palästinensische Regierung nur zweieinhalb Stunden abgewartet, bis es dunkel wird, bis die Juden nach Hause gehen, konnte sie dann meinethalben den Schammasch bestrafen oder das Rabbinat zu Gericht ziehen. Aber das jüdische Gefühl und die jüdische nationale Würde waren in den Augen dieser Herren nicht wert, dass man zweieinhalb Stunden warte, und man hat einen Polizisten geschickt, mit solchen Instruktionen, die zu gewalttätigem Eingreifen führen mussten. Ich stamme aus einem traurigen Lande, in dem grausame Dinge voi kommen, aber am Jörn Kippur, an einer so heiligen Stelle des Judentums, ein solches — ich finde kein deutsches Wort — „Chamstwo" zu begehen, nur um zweieinhalb Stunden nicht zu versäu-