Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 250)
- Language
- German, English, Hebrew
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112 4. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte anbetrifft, so gibt es keinen Ort in der Welt, wo der Arbeiter so sehr geschätzt wird wie in Amerika. Und auch derjenige, der zum Kapitalisten wird, denkt immer daran, dass er einst ein Proletarier war. Wenn unsere Kapitalisten, die Geld für Palästina hergeben selbst nach Palästina gehen werden — und man sollte sich bemühen, dass sie nach Palästina gehen —, so werden sie nicht gegen den Arbeiter kämpfen. Der Streit hatte nur einen Grund. Wir sagten: Arbeiter, ja, Landarbeiter gewiss, aber man sollte auch die Industrie und den Handel nicht gering schätzen. Denn wenn die Juden allein in Palästina wären, wäre es nicht so schrecklich. Da es aber Araber gibt, so werden diese zu Kaufleuten und Industriellen werden, wenn wir es nicht wollen, und bei jenen wird das ganze Geld bleiben. Wir sind ungemein zufrieden damit, dass Ruppin in seinem Vortrag neben der Landarbeit auch von der Industrie und dem Handel gesprochen hat. Man darf nichts ausser acht lassen, man muss alles tun. In Amerika waren früher 60—70 Prozent der Menschen in der Landarbeit und 30—40 Prozent in Industrie und Handel beschäftigt. Jetzt ist es umgekehrt, und das Verhältnis verschiebt sich noch immer mehr zu Ungunsten der Landarbeit. Die amerikanischen jüdischen Arbeiter sind die besten, die revolutionärsten, und sie haben die besten Bedingungen erreicht, die Arbeiter in der ganzen Welt erzielen konnten. Deswegen sind wir für das Programm dei Arbeiter in Palästina und stehen ganz auf ihrer Seite. Alle sozialen Reformen finden bei uns die stärkste Stütze. Aber wir sind nicht dogmatisch, bei uns ist es einmal so und dann wieder anders. Wenn man uns ein praktisches System zeigt, uns beweist, dass die kommunistischen Kolonien Palästina aufbauen werden, dann kann ich euch versichern, dass wir sie unterstützen werden, aber die Amerikaner glauben nicht, dass das ein praktischer Schritt ist. (Zwichenruf Locker: Ihr stellt euch gegen die sozialistische Kolonisation!) Wir sind für Experimente, aber statt aus der ganzen Kolonisation ein Experiment zu machen, wollen wir, dass ihr ein Kolonisationsexperiment machen sollt. Ich erinnere an die Sache Franz Oppenheimer, für die wir Geld hergegeben haben. Wäre sie gelungen, dann hätten wir noch etwas derartiges gemacht. Wenn Ihr ein Experiment wollt, dann könnt Ihr Geld haben, aber man darf nicht die ganze Sache auf ein Experiment stellen. Es gibt keine schärferen Kritiker der englischen Regierung, als wir es sind. Man muss kritisieren und einen anderen Weg finden. Jetzt haben wir einen neuen Schritt gemacht mit der Jewish Agency. Der Zionismus in Amerika ist auf dem Wege zu einer Wandlung. Er wird nicht nur in Amerika sein, sondern auch in Palästina. Es wird eine Alijah geben, die hebräische Sprache, die Jugend wird da sein. Wegen des Geldes sieht man nicht, was in Amerika geschieht. Ihr habt aus uns die Geldsammler gemacht, aber jetzt werden wir etwas für die Jugend tun, und ihr werdet eine Jugend haben, auf die ihr stolz sein