Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 245)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaplansky 107 Solidarität und Gemeinschaft verbunden sind. Es ist wahr, dass die zionistische Bewegung Freunde in allen Parteien Englands hat, aber es ist ein grosser Unterschied zwischen der Freundschaft der Labour Party und der anderer Parteien. In der Labour Party haben wir nur einzelne Freunde. Die Arbeiterpartei als solche hat bei verschiedenen Gelegenheiten ihre aufrichtige Freundschaft für das jüdische Palästina-Werk, für die Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft ausgedrückt. Deswegen haben wir Grund, mit besonderen Hoffnungen und Erwartungen der neuen Phase der englischen Politik in Palästina entgegenzusehen. Auch ich glaube, dass man keine sensationellen Dinge erwarten darf, aber wir hoffen, dass viele Anklagen gegen das Regime der Palästina-Verwaltung, die wir heute haben, unter der Herrschaft der Arbeiterregierung in einem anderen Geiste und auf eine andere Weise behandelt werden. Ich will nur einen wichtigen Fragenkomplex hervorheben, die ökonomische Politik der Palästina-Regierung. Ich erwarte eine Umstellung des Systems, das bisher geherrscht hat. Ich habe dieses System an einem andern Orte als ein System der unfreundlichen Neutralität und der fiskalischen Exploitation des jüdischen Ko'onisationswerkes bezeichnet. Ein ökonomisches Gebiet, an dem die jüdische Arbeiterschaft und die ganze zionistische Bewegung besonders interessiert ist, sind die Regierungsarbeiten. Wir mussten bisher einen sehr ernsten und schweren Kampf für unser Recht auf Arbeit in der staatlichen Wirtschaft Palästinas führen. In den letzten Jahren wurde die jüdische Arbeiterschaft, wenn man von der Intervention Lord Plumers zur Zeit der Arbeitslosigkeit — und auch wir sind Lord Plumer aufrichtig dankbar — absieht, von der Regierungswirtschaft — von den öffentlichen Arbeiten, bei der Eisenbahnverwaltung, bei den Arbeiten der Munizipalitäten — so gut wie völlig ausgeschlossen. Die Gefahr ist jetzt besonders gross, weil die Regierung bei dem grossen Umfang, den die öffentlichen Arbeiten gewinnen, in der Wirtschaft des Landes ein wachsender Faktor wird. Besonders wichtig ist der Hafenbau in Haifa. Wir haben an die Regierung in Palästina und in England die Forderung gestellt, dass in Uebereinstimmung mit der Tatsache, dass die jüdische Arbeiterschaft die Hälfte des Proletariats im Lande darstellt, und entsprechend dem Anteil des Jischuw an den Einnahmen der Regierung ein bestimmter Teil der Regierungsarbeiten für die organisierte jüdische Arbeiterschaft gesichert werden soll. Bis jetzt ist der Zustand ein sehr trauriger. Die Lohnbedingungen der beginnenden Arbeit im Hafen bedeuten nicht nur keinen Fortschritt, sondern geradezu einen Rückschritt gegenüber dem üblichen Zustand. Es ist ein Versuch, selbst den kargen Lohn der arabischen Fellachen herabzudrücken. Man verwirklicht nicht die Resolution des Parlaments bei der Annahme des Anleihegesetzes, wonach die Regierungsarbeiten unter menschenwürdigen Bedingungen vergeben werden müssen.