Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 241)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kaplansky 103 Wenn wir uns diese Tatsachen vor Augen halten, wird es klar, dass das Werk der finanziellen Gesundung der zionistischen Bewegung ein wenig anders aussieht, als die zionistische Exekutive es in der Presse, in Erklärungen und hier darzustellen sucht. Ich möchte nicht sagen, dass wir der Exekutive einen Vorwurf machen, weil die Einnahmen des Nationalfonds und deä Keren Hajessod nicht nur nicht gewachsen, sondern gefallen sind. Aber warum gibt man Erklärungen ab, welche den Eindruck erwecken sollen, dass wir vor zwei Jahren in einer Krise und einem Niedergang des Keren Hajessod standen? Auch Professor Weizmann hat dies in seinem Statement gesagt. Die Wahrheit ist, dass der Keren Hajessod seinen höchsten Einnahmestand von 580 000 Pfund im Jahre 1927 erreichte und dass in den letzten zwei Jahren ein bedauerlicher Rückgang in den Einnahmen unserer Fonds erfolgt ist. Die Wahrheit ist, dass die finanzielle Konsolidierung, welche die Exekutive als ihre Hauptleistung betrachtet und über die wir uns gefreut hätten, wenn sie gelungen wäre, leider nicht gelungen ist. Wir haben kleinere Einnahmen und grössere Verpflichtungen als vor zwei Jahren. Eine andere Sache, welche zum Kapitel der Vergangenheit, die man vergessen möchte, gehört, ist die Stellung zur Arbeiterschaft. Wir haben uns gefreut über Weizmanns aufrichtige Worte der Anerkennung für die Geduld und die Ausdauer der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina in einer Zeit grosser Leiden, da die Zukunft des ganzen Palästinawerkes auf dem Spiele stand. Nun, dieses Bewusstsein der Verantwortlichkeit hat die Arbeiterschaft nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch früher mitten in der Krise vor dem Basler Kongress gezeigt. Wie hat man der Arbeiterschaft auf ihre Haltung geantwortet? Damit, dass man die Arbeiterschaft von jedem Einfluss auf die Leitung der zionistischen Bewegung ausschloss. Viele von denen, die dafür verantwortlich sind, dass man die Arbeiterschaft zum Sündenbock für all das machen wollte, was andere Teile dei Bewegung verbrochen hatten, schämen sich jetzt und möchten es vergessen. In der Politik muss man nicht alles vergessen. Will man die Atmosphäre in der Bewegung gesund machen, dann muss man feststellen, wer an der Vergiftung der Atmosphäre schuld war. Wie war die Stellung der Exekutive gegenüber den Forderungen der Arbeiterschaft, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Die Exekutive erzählt, sie habe sich für die Abschaffung der Arbeitslosenunterstützung und für die Mitwirkung der Regierung bei der Liquidation der Arbeitslosigkeit eingesetzt. Das sagt man jetzt, nachdem die Sache vorbei ist. Vor Tische las man's anders! Es war dies die Politik der organisierten jüdischen Arbeiterschaft und der Arbeiterparteien im Zionismus. Das ist die Wahrheit. Wir mussten hartnäckig für diese Politik gegen die Palästina-Exekutive kämpfen. Als die Histadruth der Exekutive den Plan vorlegte, die Regierung durch einen Kampf zu zwingen, öffentliche Arbei- 15